Page tree
Skip to end of metadata
Go to start of metadata

Interne Leitlinien

zur Förderung der Gender- (und Diversity-) Gerechtigkeit in der Gesellschaft für Informatik

Interne Leitlinien des AK Gender und Diversity zur Vorlage an den Vorstand und das Präsidium der Gesellschaft für Informatik e.V.

Version 1.0 vom 14.06.2019 – Diskussionsgrundlage zur GI Vorstands- und Präsidiumssitzung am 27.06.2019

Feedback, Anregungen und Kommentare zu diesem Positionspapier und den Leitlinien bitte in die Kommentarfunktion der jeweiligen Seite schreiben.

 

Präambel

Entsprechend dem Gesellschaftszweck der Gesellschaft für Informatik e.V. gehört zu ihren Aufgaben, die „Förderung von in der Informatik tätigen Frauen mit dem Ziel ihrer faktischen Gleichstellung“ (2.2.4). Um diesen Zweck in breiterem Umfang aktiv innerhalb des Vereins umzusetzen, verabschiedet die GI e.V. folgende internen Gleichstellungsrichtlinien.

Gremien

Die Gesellschaft für Informatik strebt einen Frauenanteil von 30% Frauen im Vorstand und in allen Gremien der GI an. Frauen sollen bereits im Vorfeld von Gremienwahlen oder Nachbesetzungen aktiv angesprochen, vorgeschlagen und unterstützt werden, um diese Rollen einnehmen zu können.

Wenn der Anteil von 30% unterschritten wird, bleiben die Sitze bis zur Nachwahl unbesetzt.

Öffentliche Panels

Zahlreiche Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass die Qualität von Panels und den erzielten Ergebnissen durch diverse, geschlechtergemischte Erfahrungshintergründe und Sichtweisen steigt.

Mitglieder der GI wirken bei externen Einladungen zu ausschließlich männlich besetzten Podien oder öffentlichen Veranstaltungen darauf hin, dass Expertinnen eingebunden werden und bieten hierzu eine Unterstützung durch die GI-Geschäftsstelle an.*

Die GI geht eine Selbstverpflichtung ein, bei eigenen Veranstaltungen nur noch geschlechtergemischte Podien oder Foren anzubieten.

Um die Expertise von Frauen in der GI sichtbarer zu machen und um Expertinnen leichter ansprechen zu können, soll ein Referentinnenpool identifiziert und aufgebaut werden. Diese Ressource soll explizit genutzt werden, um Frauen als Rednerinnen (Expertinnen, Interviewpartnerinnen, Diskutantinnen) und für Positionen in Gremien anzusprechen.

Interne Unterstützung

Die Fachgruppe Frauen und Informatik und der Arbeitskreis Gender & Diversity werden in ihrer gemeinsamen Arbeit unterstützt. Es sollen sowohl Frauen, die bereits engagierte Mitglieder in der GI sind, als auch neue weibliche Mitglieder und junge Informatikerinnen angesprochen werden.

Um die Aktivitäten zu vernetzen und auszubauen, soll ein Mentorinnennetzwerk geschaffen werden. In dieser Struktur können sich Nachwuchsinformatikerinnen mit etablierten Expertinnen aus Wissenschaft und Praxis austauschen und haben nahbare weibliche Vorbilder in Führungspositionen.

Gendergerechte Sprache und Bilder

In der Außerdarstellung und der internen Kommunikationsarbeit verpflichtet sich die GI durch Mitglieder, Gremien und in den Geschäftsstellen gendergerechte Sprache zu verwenden, und die Bildsprache dahingehend zu überprüfen und auszuwählen. Dafür sollen entsprechende Leitfaden geschaffen und kommuniziert werden. Es soll ein Q&A ausgearbeitet werden, in dem gendertypische Stereotype und Vorurteile über die Informatik thematisiert und aufgearbeitet werden.

Vernetzung und interne Kommunikation

Anstatt eines Top-Down Ansatzes sollen Möglichkeiten aufgezeigt und geschaffen werden, wie Frauen selbst in der GI gestaltend arbeiten können. Dies wird durch Analyse- und Kommunikationsmöglichkeiten unterstützt, in denen die Mitglieder die Möglichkeit bekommen, genderspezifische Bedarfe zu äußern (z.B. Formen der Vernetzung, Kommunikation, Information, Ressourcen). Die Ergebnisse einer solchen Analyse sollen die Aktivitäten der GI, und besonders alle Gleichstellungs- und Diversitätsmaßnahmen beeinflussen. Alle bereits laufenden relevanten Aktivitäten, z.B. in Fachgruppen, Regionalgruppen und anderen Gliederungen sollen sichtbar gemacht werden.

Diversity

Neben der dezidierten Frauenförderung ist ein mittelfristiges Ziel, auch Informatiker*innen aus anderen unterrepräsentierten Gruppen (z.B. Migrant*innen, LGBTQ+, Menschen mit Behinderung) innerhalb der GI zu fördern, ihre Sichtbarkeit und ihren Einfluss zu erhöhen und, wo gewünscht und notwendig, spezifische Gestaltungsräume zu schaffen.


* Die Geschäftsstelle nutzt die noch zu erstellende Datenbank und kontaktiert Expertinnen aus der GI.

  • No labels

113 Comments

  1. Bezieht sich der Satz

    Mitglieder der GI wirken bei externen Einladungen zu ausschließlich männlich besetzten Podien oder öffentlichen Veranstaltungen darauf hin, dass Expertinnen eingebunden werden und bieten hierzu eine Unterstützung durch die GI-Geschäftsstelle an.

    auch auf Einladungen, die an ein GI-Mitglied als Person ergeht? Oder muss es explizit als GI-Mitglied eingeladen werden? Als wie weit gehend ist diese Verpflichtung gemeint?

    1. Das ist mir auch unklar. Man kann doch einen anderen Partnerverein nicht dazu verpflichten, ebenfalls Frauen einzubinden.

      1. Es gibt ja bereits einige Männer, die wenn sie zu eine 'Manel' eingeladen werden, dies entweder verweigern oder dem Veranstalter Frauen vorschlagen. Ganz oft scheint den Veranstaltern keine Frau eingefallen zu sein, oder es werden halt immer wieder dieselben Leute gefragt... 

        Das können diese natürlich nur als Einzelperson tun, wer sonst weiß von der Einladung. Die GI kann ihre Mitglieder aber bitten oder anhalten, sich so zu verhalten, genauso wie wir uns auch an die ethischen Leitlinien halten sollten. 

    2. Man kann im Prinzip per Satzung Mitglieder zu so etwas verpflichten und bei Verstößen dagegen ein Vereinsausschlußverfahren anstrengen. Dazu müssten wir die Satzung auf der Mitgliederversammlung ändern. Ich halte das aber für verkehrt. Wenn ein männliches GI-Mitglied vom Verein der alleinerziehenden Väter eingeladen wird, so soll er dort auch auf einem "Manel" auftreten dürfen. Wenn wir ein Mitglied für Verhalten außerhalb des Vereines vom Verein ausschließen wollen, so muss darin ein besonders unethisches Verhalten vorliegen. Daher kann ich mir vorstellen, das für Dinge wie die Mitarbeit an der Entwicklung von LAWs (Lethal Autonmous Weapons) oder anderen Massenvernichtungswaffen als unvereinbar mit der Mitgliedschaft in der GI erklären.
      Von meinem Feedback her ist es zudem so, dass bekannte Professorinnen gern und viel eingeladen werden. Die müssen dann oft absagen und die Veranstalter*innen suchen dann nicht weiter und sagen, wir haben keine Frauen gefunden. Wir können aber dafür sorgen, dass gerade der Nachwuchs, d.h. Leute die wir als kompetent kennen und die nicht bereits einen Namen haben, eingeladen werden und hierbei insbesondere Frauen vorschlagen und ermuntern auf Veranstaltungen zu gehen. Diese Pflicht trifft dann weniger den Doktoranden, der sich über seine erste Panel-Einladung freut, sondern den Professor, der ständig eingeladen wird und auch die Professorin, die noch häufiger nachgefragt wird und deshalb häufig absagen muss.
      Was mich schockiert hat, war, dass einer Kollegin (post-Doc) von Ihrem Professor untersagt wurde, auf der re:publica zu sprechen. So ein Verhalten halte ich für das genaue Gegenteil und für unakzeptabel.

      1. Es geht nicht um verpflichten und ggf. ausschließen. Auf etwas hin wirken soll fördern, nicht strafen.

        1. Es gibt hier drei Parteien, die GI, das GI-Mitglied und den dritten Veranstalter. Mit der vorgeschlagenen Formulierung verpflichtet die erste Partei (GI) die zweite (GI-Mitglied) zu einem bestimmten Verhalten gegenüber der dritten Partei (Veranstalter). Da stellt sich sofort die Frage nach der Durchsetzung dieser Pflicht und ggfs. nach Sanktionen, sollte das GI-Mitglied nicht auf die Einbindung von Expertinnen hinwirken.

        2. Welche Möglichkeiten  des "darauf hinwirkens" oder "förderns" sehen Sie?

          a) Ein Appell (unverbindlich und gut für die PR)

          b) Sanktionen (darf bei der GI nicht mehr vortragen, darf keine Funktion bei der GI mehr ausüben, wird ausgeschlossen) - das aber wollen Sie nicht.

          c) Pluspunkte (Mitglieder melden solche Vorfälle und erhalten dafür Pluspunkte. Die entsprechenden Organisatoren werden von der GI angesprochen und im Wiederholungsfall geoutet. Derjenige mit den meisten Pluspunkten wird zu einer Keynote eingeladen und öffentlich ausgezeichnet) - Aber ist das mit den Statuten vereinbar? Frauen können hier gar keine Pluspunkte bekommen.

          d) Die GI vergibt jährlich den "sauren Manel" an die Konferenz im Bereich der Informatik, die die meisten Manels aufweist. Einreichen dürfen alle.

          Aber vielleicht haben Sie ja noch andere Ideen?

          Was machen wir mit Fanels (rein weibliche Panels). Ist das positiv (häufig so gelesen) oder "der gleiche Mist, nur umgekehrt"?


      2. Jörn Erbguth : " Wir können aber dafür sorgen, dass gerade der Nachwuchs, d.h. Leute die wir als kompetent kennen und die nicht bereits einen Namen haben, eingeladen werden und hierbei insbesondere Frauen vorschlagen und ermuntern auf Veranstaltungen zu gehen."

        WIR: das ist genau das Stichwort. Wir, Sie, alle! Nicht "die anderen" oder "der Vorstand" oder "die Tagungsveranstalter". Wir, die GI-Mitglieder. Ich begleite beispielsweise regelmäßig die Auswahlverfahren für die GI-Fellows und die GI-Junior-Fellows. In diesen Gruppen sind DEUTLICH mehr Männer vertreten als Frauen. Das macht den Vorstand unglücklich, manche GI-Mitglieder schimpfen und fordern mehr Frauen.

        Nur: aufgefordert vorzuschlagen - und damit auch mehr weibliche Fellows oder Junior-Fellows zu bekommen -  sind ALLE GI-Mitglieder. Nicht nur der Vorstand. Und für meine Befriffe überhaupt nicht der Vorstand, weil es dann ein Gschmäckle bekommt: der Vorstand pusht Auszeichnungen.

        Also: die GI-Mitglieder (Männlein wie Weiblein), denen es wichtig ist, dass bei den Fellows und den Junior-Fellows mehr Frauen auf der Bühne stehen, müssen welche vorschlagen. Ein bisschen Statistik: Fellowvorschläge: 2014: 9 m, 0 w, 2015: 8 m, 1 w, 2016: 8 m, 0 w, 2017: 6 m, 0 w, 2018 4 m, 1 w. Und jetzt die Frage: wer ist dafür verantwortlich und wer kann das ändern? WIR ALLE.

        1. Die Statistik ist in der Tat recht eindeutig. 2018 könnte man noch als annähernd repräsentativ ansehen (20% bei 25% Studentinnen). Aber für eine Trendwende ist das eindeutig zu dünn.
          Wie sind denn die Auswahlgremien zusammengesetzt? Wieviele Personen hat so ein Gremium und wieviele Frauen sind dort im Schnitt. "Deutlich mehr Männer" ist angesichts der Geschlechterverteilung insgesamt noch kein Zeichen für Unausgewogenheit. Aber gibt es z.B. rein männliche Auswahlgremien?

          1. Jörn Erbguth Deutlich mehr Männer bezog sich auf die Gruppe der Fellows und der Junior-Fellows. Und diese Gruppen resultieren aus den Nominierungen der GI-Mitglieder. Wenn also in bestimmten Jahren 0 Frauen vorgeschlagen werden, wächst die Gruppe um x Männer und 0 Frauen. Daher ja der Appell an mehr Nominierungen von weiblichen Mitgliedern. Rein männlich besetzte Auswahlgremien gibt es - soweit wir, d.h. die GI-Administrative - Einfluss haben, nicht. Wir suchen und finden immer Frauen. Bei den Fellows sind es zwei von neun, bei den Junior-Fellows eine von zehn. Aber auch hier wieder der Teufelskreis: diese Gremien rekrutieren sich aus dem Kreis der Fellows und der Junior-Fellows. Und wenn es da wenig Frauen gibt - weil die GI-Mitglieder wenige oder keine vorschlagen -, finden wir auch wenige oder keine, die sich in solche Gremien wählen lassen.

            1. Auch wenn hier ein Handlungsbedarf besteht, sehe ich da nicht diese Art von "Teufelskreis", dass Männer nur Männer auswählen würden. Viele Männer sind inzwischen sensibilisiert und fördern immer häufig bewusst Frauen. Ohne einen Sinneswandel bei den Männern, hätte die ganze Frauenförderung nie in Parlamenten und Gremien beschlossen werden können.
              Das ist bei vielen Frauen anders, diesen wird zunehmend eine "Geschlechtersolidarität" nahe gelegt. Daraus sollten Frauen aber nicht schließen, dass es bei Männern eine "Geschlechtersolidarität" in gleichem Umfang (noch) gibt. Ein verbleibendes Problem ist dagegen die unbewusste Präferenz für die Biographie, die einem selbst am ähnlichsten ist und damit eine Präferenz für das eigene Geschlecht.

              1. Ich meine den Teufelskreis auch nicht böse. Aber wie Sie sagen: ich habe die Leute im Blick, mit denen ich viel zu tun habe und die ich gut kenne. Und wenn 90% meiner Kommilititonen männlich sind, schlage ich mehr Männer vor. Wenn 80% der Fellows männlich sind (und noch dazu etwas älter, weil Fellow = Lebensleistung) haben diese Personen statistische einfach mit viel mehr Männern zu tun (gehabt). Und also kommen ihnen eher Männer in den Sinn. Gerade in der GI sehe ich überhaupt keine strategische, bewusste oder irgendwie gewollte oder forcierte Bevorzugung von Männern. Eher das (verzweifelte) Gegenteil: wo bekommen wir Frauen her? Und Tatsache ist, dass die vergleichsweise wenigen Frauen, die in der GI (und wohl auch in der gesamten Informatik) aktiv sind, ja nicht nur von uns angesprochen werden. Wenn ich Mitglieder für Kommissionen suche, hole ich mir bei Frauen statistisch viel eher einen Korb, genau mit dem Argument: "ich habe schon so viele Ämter". Und da bin ich dann machtlos. Was habe ich davon, wenn ich jemanden beknie und überrede, wenn derjenige nicht will, weil er keine Kapazitäten hat. Nichts.

                1. Wir sind uns einige, dass ein Bias ein Problem ist. Wenn ein Mann ein Mann vorschlägt, weil dieser ähnlich "gestrickt" ist und die irgendwie andere Frau deshalb "übersieht".

                  Wenn aber 80% der Kommiliton*innen männlich sind oder 80% der Expert*innen in einem Bereich männlich sind und deshalb 80% Männer vorgeschlagen werden, dann ist das kein Bias. Da wird niemand benachteiligt. Ob und wann das trotzdem ein Problem ist, sollten wir diskutieren. Ich sehe hier die beiden Standpunkte mit jeweils wenig Argumenten und ohne Bereitschaft nach unterschiedlichen Situationen zu differenzieren.

                  1. Ein Versuch der Differenzierung: Wie ich anderweitig schrieb: ich sehe keinerlei Benachteiligung von Frauen in der GI. Ich sehe auch nicht, dass irgendwer irgendwo (in der GI) behauptet hat, dass in der GI Frauen benachteiligt werden. Und erstmal geht es hier ja nur um die GI und die Feststellung, dass man tatsächlich vergleichsweise wenig Frauen sichtbar hat, und dass man sichtbar mehr Frauen haben möchte, in der Mitgliedschaft, in den Gremien, auf Panels. Für meine Begriffe zielen die vorgelegten Papiere darauf, Maßnahmen zu entwicklen, wie man mehr Frauen in die GI und in sichtbare Positionen bringt. Dazu gibt es verschiedene Instrumente, die vorgeschlagen wurden: Quote, besondere Förderung, Angbote der Vernetzung, besondere Unterstützung, Sensibilisierung für Sprache und Bilder uswusw. Was davon die GI-Mitglieder wollen, was umsetzbar ist, was Erfolg verspricht, wie radikal und/oder wie pragmatisch man sein kann oder sein will, all das soll ja Gegenstand der Diskussion sein.

                    Ich habe bei manchen Kommentaren den Eindruck, dass garnicht angekommen ist, dass der Vorstand DIE DISKUSSION SUCHT, dass er ernsthaft WISSEN möchte, was die Mitglieder denken. Sondern dass manche den Eindruck haben, hier würde ihnen von oben etwas aufgepfropft, was sie partout nicht wollen (was eines jeden Mitglieds Recht ist), und als müsse es sich mit Händen und Füßen wehren, damit diese oder andere Papiere auf keinen Fall diskutiert oder sogar verabschiedet werden. Und natürlich muss der Vorstand erst einmal eine Vorlage erstellen, anhand derer man diskutieren kann. Nicht mehr und nicht weniger hat er bislang getan.

                    1. Bisher scheinen sich der AK, der die Texte verfasst hat, und der Vorstand aber nicht an der hier und jetzt stattfindenden Diskussion zu beteiligen. Wenn ich niemanden falsch zuordne hat sich noch niemand aus AK und Vorstand hier geäußert. Bisher diskutieren Mitglieder miteinander.

                      Dabei wurden bereits einige Punkte, die besonders kontrovers zu sein scheinen, herausgearbeitet. Es wäre sehr hilfreich, wenn sich AK und Vorstand jetzt hier äußern würden, bevor am 30. August die Diskussion geschlossen, vom AK intern ausgewertet und eine überarbeitete Fassung dem Vorstand vorgelegt wird.

                      Wenn AK und Vorstand hingegen vorhaben, sich aus der hier stattfindenden Diskussion herauszuhalten, dann wäre das keine gute Idee. Dass so etwas im Netz nicht funktioniert hat die CDU mit ihrer erbärmlichen Reaktion auf das Rezo-Video zuletzt vorgemacht.

                      Nachtrag: Die Formulierung

                      Dieses Feedback wird in den darauffolgenden Monaten vom Arbeitskreis Gender & Diversity aufgearbeitet, sodass eine zweite Version Ende 2019 dem Präsidium der GI vorgelegt werden kann.

                      klingt leider nicht so, als sei hier bis zum 30. August mit Diskussuonsbeiträgen aus AK und Vorstand zu rechnen.

                      1. Ich fände es gut, wenn über diese Diskussion auf der Mitgliederversammlung berichtet wird - z.B. von jemanden außerhalb der AG oder aber von mehreren Personen im Sinne von Pro und Contra und dann der Mitgliederversammlung mehrere Alternativen zur Abstimmung vorgelegt werden. So z.B.

                        • Vorschlag mit kleinen Änderungen übernehmen.
                        • Vorschlag zur grundsätzlichen Überarbeitung zurück.
                        • Vorschlag mit neuer Zielrichtung und durch neue Personen nochmals aufgreifen.
                        • Projekt beenden.

                        Dabei könnte der Vorstand auch etwas zur Motivation sagen. Ich meine damit nicht die allgemeinen einleitenden Worte, sondern z.B. konkrete Vorgaben/Erwartungen durch CEPIS oder öffentlichen deutschen oder europäischen Stellen. Sind bestimmte Kennziffern z.B. geschriebene oder ungeschriebene Voraussetzung für öffentliche Fördergelder? Das könnte erklären, warum bestimmte Maßnahmen vorgeschlagen werden, die gar nichts ändern können.

                        1. Die Einladung zur MV samt Tagesordnung wurde ja bereits verschickt. Die Tagesordnung nachträglich um eine Abstimmung zu ergänzen ist eher nicht möglich. In der mit der Einladung verschickten Tagesordnung müssen nämlich alle Abstimmungen und Wahlen explizit genannt und der Gegenstand allfälliger Abstimmungen dargestellt werden. So kenne ich das zumindest aus anderen Vereinen. Und der TOP "Verschiedenes", der ohnehin verboten gehört, kann für eine solche Abstimmung nicht herhalten.

                          Eine Vorstellung der Textvorschläge und der bis zur MV diskutierten Punkte wäre aber trotzdem sinnvoll.

                          1. Der Punkt "Verschiedenes" erlaubt durchaus die Aussprache über dieses Papier und er erlaubt auch "Beschlussfassungen untergeordneter Bedeutung". Ich kann mir vorstellen, dass eine Empfehlung an den Vorstand, in einer bestimmten Art und Weise zu verfahren, da durchaus zulässig sein kann.

                          2. So schnell schießen die Preußen nicht!

                            Ich nehme an, nachdem wir das Dokument gründlich zerpflückt haben, wird sich der Arbeitskreis nochmal dransetzen. Vielleicht geht es anschließend durch die Mitgliederversammlung der Fachgruppe oder durch das Präsidium oder beides, bevor die MV dann abstimmen könnte?

                        2. Ich denke, das Thema ist zu kompliziert, um das unter Zeitdruck in ein paar Minuten abzuhandeln. Das zeigt ja auch diese Debatte hier.  Solche Debatten wie hier sind ja immer auch Lernprozesse, in denen man andere Standpunkte kennenlernt, das dauert ganz einfach. Man sollte aber Reklame dafür machen, sich an dieser Debatte zu beteiligen.

                        3. Auf der Mitgliederversammlung wird ganz sicher berichtet werden und ganz sicher nicht beschlossen werden. Tatsächlich beschließt laut Satzung ausschließlich das Präsidium über Stellungnahmen, Leitlinien etc. (ab § 8.6: https://gi.de/ueber-uns/organisation/unsere-satzung/). Die Mitgliederversammlung hat ausschließlich die Aufgaben, die explizit in der Tagesordnung aufgelistet sind und die sich unter § 6 der Satzung finden: so weit, so bürokratisch (wink). Weil es darum ging, ob man die Tagesordnung ergänzen, Beschlüsse fassen etc. kann/darf/soll.

                          Aber natürlich begreift der Vorstand die Mitgliederversammlung als das Organ der GI, wo er auch mit den Mitgliedern ins Gespräch kommt. Deshalb gibt es auch den TOP 6.1.1 Entgegennahme des Berichts des Vorstands über das abgelaufene Geschäftsjahr. Hier wird genau über so etwas berichtet (und nicht nur über das abgelaufenen Geschäftsjahr, sondern eigentlich viel mehr über die laufenden Projekte), und da ist dann die Möglichkeit der Aussprache. Natürlich kann und wird die Diskussion nie so ausführlich sein können wie hier, zum einen weil die Mitgliederversammlung einen zeitlichen Rahmen hat, zum anderen aber, und das ist viel wichtiger, weil dort erfahrungsgemäß eine bestimmte Klientel an Mitgliedern hinkommt, und das scheint mir nicht die zu sein, die hier diskutiert.  Und Themen wie dieses kann man nicht in einer halben Stunde abhandeln. Genau dafür ist ja das Präsidium da. Und wer wmit der Richtung des Präsidiums nicht einverstanden ist, kann sich gerne wählen lassen (wink). Ich freue mich immer über engagierte Freiwillige. Melden Sie sich bei mir, ich sammele und leite Ideen an die Findungskommission weiter.


                      2. Lutz Horn Die Mitglieder des AK versuchen trotz wenig Zeit, der Diskussion zu folgen und auch auf konkrete Fragen und Anliegen zu reagieren. Es wird im Vorhinein des 30.8. nicht möglich sein, auf jedes Kommentar einzugehen, wenngleich wir versuchen, einen Überblick über die kontroversen Punkte und Diskussionslinien zu behalten, um diese in der nächsten Konsolidierungsphase auch gut abbilden zu können. Dabei hilft es, wenn das Feedback präzise formuliert wird. Ich kann zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau sagen, wann sich die jeweiligen Gremien äußern werden, da wir unsere nächste Besprechung nach Ende der Frist haben werden. Schauen Sie deshalb auch nach dem Ende der Kommentarphase noch einmal hier vorbei.

                        Vielen Dank für Ihren Einsatz für die Fortentwicklung der Arbeitspapiere!

                    2. "Ich sehe auch nicht, dass irgendwer irgendwo (in der GI) behauptet hat, dass in der GI Frauen benachteiligt werden."

                      Sie meinen das sicher so: niemand, der in der GI aktiv mitarbeitet, behauptet derartiges.

                      Umso konsternierter war ich über implizite pauschale Behauptungen in den Papieren, u.a. daß Frauen bisher daran gehindert würden, selbst in der GI gestaltend mitzuarbeiten, Details dazu s. hier: https://confluence.gi.de/pages/viewpage.action?pageId=36079018&focusedCommentId=39256496#comment-39256496 Diese impliziten Behauptungen begründen die explizit geforderten Maßnahmen gegen die postulierten Mißstände.

                      Das ganze in einem Papier, das offenbar allen 20.000+ Mitgliedern der GI als Diskussionsgrundlage präsentiert wird, also bereits einen halboffiziellen Status hat

                    3. Laut Überschrift handelt es sich aber um Leitlinien "zur Förderung der Gender- (und Diversity-) Gerechtigkeit in der Gesellschaft für Informatik", nicht um die "Sichtbarmachung von Frauen". Aber auch bei dieser "Sichtbarmachung" würde es sich ja um eine leicht durchschaubare Mogelpackung handeln. Und niemand kann doch ernsthaft glauben, dass die Gesamtveranstaltung Informatik in "gendergerechter Sprache" für die jungen Frauen attraktiver würde.



                      1. "eine leicht durchschaubare Mogelpackung"

                        Die Erfahrung, daß unrichtige Schönfärbereien durchschaut werden, habe ich früher auch wiederholt in Frauen- bzw. Mädchenförderprojekten gemacht. So dumm, die diese Werbemaßnahmen unterstellen, sind die Mädels nämlich nicht, schon gar nicht die besonders cleveren, die man eigentlich haben will. In anderen Kontexten würde man diese Unterstellung übrigens als üblen Sexismus bezeichnen.

                        Außerdem sorgt die Konkurrenz schon dafür, daß Lügen sichtbar werden


                        1. Wieso Mogelpackung? Hier soll nichts vorgespielt werden! Im Gegenteil. Wenn bei Podiumsdiskussionen nur Männer die Informatik vertreten und bei Konferenzen nur Männer die Key Note Vorträge halten, entsteht der falsche Eindruck, es gäbe keine kompetenten Frauen, und der ist eindeutig falsch.

                          Wenn man versucht, Mädchen durch Lügen ins Informatikstudium zu locken wie z.B. "Eigentlich hat Informatik fast gar nichts mit Programmieren zu tun", ist das natürlich keine gute Idee. (Tatsächlich habe ich immer mal wieder eine Studentin, die sagt, sie wolle gar nicht programmieren. Da frage ich mich schon, was bei der Studienfachwahl schief gelaufen ist!) Aber wenn man den Mädchen erzählt "Informatik macht Spaß" und selbst nicht daran glaubt, dann war das keine Lüge, sondern die falsche Vortragende!

                          Also, mir hat seinerzeits eine Veranstaltung des Arbeitsamtes noch den letzten Schubser dazu gegeben, um doch etwas Technisches zu studieren, obwohl Familie und Freunde schwere Zweifel anmeldeten, ob das so eine gute Idee sei. U.a. behaupteten sie, es gäbe in diesem Bereich gar keine Frauen, und es sei auch völlig unmöglich, mit so einem Beruf einen Mann zu finden und Kinder zu bekommen. (Sofortige Unfruchtbarkeit durch Mathematik und Basic?) Aber bei der Infoveranstaltung habe ich gesehen, dass es doch welche gibt, und die sogar in der Männerwelt überleben können.

                          1. Ist schön, hier ein paar persönliche Erfahrungsberichte zu lesen. So ganz ohne Frauen kann man nun mal nicht verstehen, ob Frauen andere Bedürfnisse an die Informatik haben als Männer (das klingt in manchen Kommentaren so an) Natürlich können sich aber alle Geschlechter für solche Fragen interessieren, oder eben nicht, und auch das Wissen in ihre Arbeit einfließen lassen.

                            Bei mir z.B. wurde im Elternhaus bei der Studienwahl großer Wert drauf gelegt, dass ich etwas studiere, womit ich später mein eigenes Geld verdienen kann. Ich hatte eigentlich sehr breite Interessen und da kam beides mit der Wahl von Medieninformatik ganz gut zusammen. Aber hätte man mir in der Zeit gesagt, "studier einfach, worauf du Lust hast" wäre ich vielleicht woanders gelandet, vielleicht aber auch nicht.
                            Ich habe vor nicht allzu langer Zeit mal von einem Buch gelesen, eine Autobiografie von einer Frau, die bestimmt 100% ihren Neigungen nach Kunstgeschichte studiert hat, dort auch promoviert hat, dann aber gemerkt hat, dass sie wirklich Probleme hatte, mit ihrer Ausbildung einen adäquaten Job zu finden. Und auf einer Party hat sie sich dann mit einem Wirtschaftsingenieur unterhalten und der meinte, sein großes Hobby ist Geschichte, aber mit seinem Job kann er sich die ganzen Bücher kaufen und lebt seine Interessen dann in der Freizeit aus. Das fand ich eine schöne Geschichte. Für mich heißt das einfach, dass man bei der Studienwahl eben nicht nur sagt, was interessiert dich, sondern, kannst du dir vorstellen, in dem Berufsfeld zu arbeiten und als was dann.

                            Selbst merke ich auch, dass es Gebiete in der Informatik gibt, wo ich deutlich mehr Frauen begegne, als in anderen. Eins ist z.B. Content-Management-Systeme und hier insbesondere Content-Design. Da gibt es dann, je nach CMS sehr viele Möglichkeiten, auch ohne Programmierkenntnisse ein System zu konfigurieren und ich denke Domänenwissen über den Content ist hier alles entscheidend. Das notwendige technische Wissen, also Datenbankdesign und vielleicht noch Model-View-Controler, ist relativ übersichtlich und schnell erlernt.

                            1. Ja, aber warum ist das so, dass die Frauen in die weniger technischen Bereiche innerhalb der Informatik gehen? Damit setzen wir doch die Ungleichheit, die es außerhalb der Informatik gibt, fort? Leider konnte ich das damals wegen Auslaufen der Förderung nicht mehr weitererforschen. Und mangels Daten sowieso. Werden wir frauen aus den technischen Bereichen rausgedrängt, ist es Faulheit (weil Programmieren wirklich schwieriger ist als andere Themen?), trauen wir uns das nicht zu? 

                              In meiner Erinnerung war das so, dass ich oft rausgedrängt wurde, also im Berufsleben nicht programmieren durfte, selbst wenn ich das wollte. Mit dem Argument, dass ich ja noch nie etwas programmiert hätte. Das stimmte zwar nicht, fanden aber alle schlüssig und selbstverständlich, dass ich als Frau sowas nicht kann.

                              Als mir das im Rahmen meiner Genderforschung klar wurde, wurde ich sauer, und jetzt erarbeite ich mir wieder das eine oder andere technische Thema.

                              1. Ich glaube, die eigene Motivation spielt eine große Rolle, in welchem Bereich der Informatik man landet. Wenn man schon mal eine LAN Party organisiert hat, weiß man mit Sicherheit, wie man Computernetzwerke aufbaut und da bietet es sich dann auch eher an, als Systemadmin zu arbeiten.
                                Ich selbst wollte halt irgendwann CMSe aufsetzen und weiß seitdem, wie das geht und wie man Linuxmaschinen administriert. Rausdrängen kann ich mir in der IT irgendwie nicht vorstellen, umso eher, dass es darauf ankommt, in einem Gebiet schon Erfahrung gesammelt zu haben.

                                1. Oh, doch, Rausdrängen geht sehr gut. Schließlich bestimmt der Chef, welche Aufgaben die Angestellte machen darf und welche nicht. Und nachdem er mir verboten hat, den Code anzusehen, weil ich sicher dort etwas kaputt mache, sollte ich das auch besser bleiben lassen. Wir hatten damals kein Versionsverwaltungssystem. Das heißt, wenn irgendjemand etwas am Code kaputt gemacht hätte oder irgendwelche fehler auftreten, wäre ich automatisch schuld daran gewesen. Sowas wäre sogar ein Grund für eine Abmahnung. Also die Tatsache, dass man mir unterstellt, ich hätte den Code kaputt gemacht, obwohl mir verboten war, an ihm zu arbeiten.

                                  Erfahrung gesammelt zu haben genügt für eine Frau eben gar nicht! Meine Erfahrung. Diese Erfahrung wird mir ja üblicherweise nicht geglaubt. Ein Mal hat sogar mein Chef in spe angezweifelt, dass ich die Kurse, die mit Note im Zeugnis stehen, überhaupt belegt habe. Er behauptet, das hätte ich gar nicht machen KÖNNEN. Mein Argument, dass genau darum eine Note dahinter steht, WEIL ich den Kurs besucht und die Prüfung bestanden habe, überzeugte ihn nicht. Er rätselte vielmehr, wie man sowas tricksen kann, dass Noten in einem offiziellen Zeugnis stehen für Kurse, die man nicht besucht hat. :-(

                                  Und das geht ständig so. Die Erfahrungen, die ich habe, und die Leistungen, die ich erbracht habe, werden STÄNDIG in Frage gestellt. Wenn ich das ausdiskutiere, bekomme ich regelmäßig zu hören, dass das allein darum nicht sein könne, weil Frauen sowas normalerweise nicht machen. Ich darf mir auch anhören, dass ich nicht beweisen könne, dass ich sowas schon gemacht habe. Mein Hinweis auf Arbeitszeugnisse wird mit einem Schnauben beantwortet und mit "In Arbeitszeugnissen steht ja eh alles mögliche drin" (O-Ton). Also: Nein, Erfahrungen bringen mir als Frau überhaupt nichts. Die anderen wissen doch eh, dass das nicht stimmen kann, weil ich eine Frau bin!

                                  1. Von Professor*innen, die aus Unfähigkeit oder Machtmissbrauch seltsame Dinge tun, habe ich leider auch schon gehört. Ich wollte mit einer Kollegin einen Vortrag auf der re:publica halten. Ihr Chef hat ihr verboten, dies zu tun - selbst wenn sie sich dafür Urlaub nimmt. Umgekehrt kenne ich viele Professor*innen, die gerade Frauen besonders fördern. Dabei gibt es sicherlich auch den Typus "fördern", der behaftet von Vorurteilen Frauen in die vermeintlich "weiblicheren" Bereiche schickt.
                                    Wir haben nicht mehr 1970 einzelne negative Beispiele rechtfertigen nicht die Annahme, dass es überall und immer so ist. Umgekehrt können wir aber auch nicht von persönlichen positiven Erfahrungen darauf schließen, dass es die negativen Fälle nicht mehr geben würde.

                                    Insgesamt erscheint mir das Thema Machtmissbrauch in akademischen Abhängigkeitsverhältnissen das übergeordnete Thema zu sein. Männer berichten genauso über entsprechende negative Vorkommnisse und es erschiene mir ungerecht, dieses Problem nur für Frauen zu thematisieren und lösen zu wollen - auch wenn dies der aktuellen gesellschaftlichen Stimmungslage entspricht.

                                    1. Genau genommen bezogen sich die genannten Beispiele auf meine Arbeit in Firmen. An der Hochschule kann mir das Arbeiten nicht so gut verboten werden wie in einer Firma. An der Uni hat man, je mehr Titel man schon angesammelt hat, immer mehr Freiheiten. In einer Firma ist man viel mehr dem Chef ausgeliefert.

                                      In den Fällen, die ich erlebt habe, war es eindeutig eine geschlechtsspezifische Diskriminierung. Wenn ich in einer Firma neu eingestellte wurde, argumentierte mein Chef immer, es sei "sicherer", davon auszugehen, dass ich nichts kann und nichts weiß. Wurde ein Mann neu eingestellt, wurde er sofort als nützlicher Experte begrüßt und im Projekt eingesetzt. Das war ein enormer Unterschied im Onboarding. Ich musste erstmal beweisen, dass ich die Arbeit, die ich in der vorherigen Firma gemacht hatte, immer noch kann. Und dann taten die Kollegen noch erstaunt, dass eine Frau sowas kann. :-/ Darum arbeite ich nicht mehr als Angestellte in Firmen. Nie wieder. Derart diskriminiert zu werden, ist Mist. Auf dieses Niveau will ich mich nie wieder hinabbegeben.

                                      Wie gesagt, an der Uni ist es weniger schlimm. Da gibt es insgesamt natürlich auch Machtmissbrauch, Vorurteile, Intrigen. Aber niemand kann mir das Arbeiten und die Weiterentwicklung verbieten! Inzwischen kann man mir auch das Publizieren nicht mehr verbieten. Natürlich kann immer noch jederzeit jemand behaupten, ich sei noch nie berufstätig gewesen oder ich hätte noch nie programmiert oder wisse als Hausfrau doch gar nichts von der Berufswelt. Funktioniert immer noch gut. Lügen, die die Klischees bedienen, werden unbedingt geglaubt. Wie schon erschreckend viele Leute zu mir sagten: "Wenn es nicht stimmen würde, hätte der das doch gar nicht gesagt." Ähähm!!


                                      1. Diese Erfahrungen tun mir leid. Aber ich denke nicht, dass man verallgemeinern kann, dass die Abhängigkiet in Unternehmen stets problematischer ist. So wenig Personalführungskompetenz wie an Unis gibt es in Unternehmen selten.
                                        Aber ich habe in Firmen auch erlebt, dass die Blitzkarriere der Geliebten des Chefs mit Frauenförderung begründet wird - und das in einem öffentlichen Unternehmen mit Wissen des Aufsichtsrates.

                      2. (Die spalten werden immer schmaler und unleserlicher, ich schreibe deswegen hier weiter]

                        "Wieso Mogelpackung?"

                        Liebe Frau Herrmann,

                        die Mogelpackung bezog sich auf die geforderten Quoten von 30 oder mehr in den Außendarstellungen, die den falschen Eindruck erwähnen sollen, der Frauenanteil sei generell so hoch.

                        Wir sind hier wieder bei der Requirements-Engineering-Standardfrage: was will man eigentlich, wie definiert man das Problem und was ist das Ziel? (und bitte erst danach: wie komme ich dahin)

                        Ich habe mal von einer angehenden Abiturientin - und ich fürchte, die war repräsentativ - bei einer Studienberatung zu hören bekommen, daß sie nur ein Fach studiert, das frauendominiert ist. Allein unter Männern - lieber nicht (das kann man sogar plausibel begründen).

                        Wenn also dies das adressierte Problem ist und das Ziel, solche Frauen in die Informatik zu locken, dann helfen scheinbar  (Not-) Lügen. 

                        Nach dem gleichen Muster sieht man auf jeder Webseite einer Uni mittlerweile mindestens die Hälfte Frauen weitaus mehr Farbige bzw. Ausländer, als anteilig immatrikuliert sind. Gähhhn. Jeder weiß, daß da gelogen wird, deswegen wirken diese Quoten in den Außendarstellungen nach meinem Eindruck auch nicht mehr.

  2. Ich finde diese Regeln super. Heutzutage kann nun wirklich keiner behaupten, er habe für das Thema seiner Veranstaltung oder Podiumsdiskussion keine kompetenten Frauen gefunden! Wenn jemandem zu einem Thema keine Expertin einfällt, dann eventuell wegen Gender Bias.

  3. Den Ansatz mit den Mentorinnen finde ich sehr gut. Ist ja nicht so als sei eine Frau im Berufsleben immer nur von wohlwollenden Personen umgeben. Meine Erfahrung zeigt eher, dass ich am besten alle angeblich gut gemeinten Ratschläge ignoriere und genau das Gegenteil mache. Das wäre besser gewesen.

  4. Was Rednerinnen angeht, gibt es schon ein Portal: https://www.speakerinnen.org/

    Vielleicht könnte die GI mit dieser Initiative kooperieren?

    Allerdings war dieses Portal bisher marketingmäßig nicht sehr erfolgreich. Über Google habe ich sie gerade gar nicht gefunden, und es ist mir auch noch nie eine Vortragsanfrage darüber reingekommen.

  5. Eine Frage bleibt bei mir noch offen: Warum gibt es überhaupt so wenige Frauen in der GI?

    Zum Beispiel Mitglied werden kann jede und jeder gleichermaßen. Wer Beitrag bezahlt, wird Mitglied. Chancengleichheit ist hier also gegeben. (Ich hoffe mal, dass es kaum Informatikerinnen gibt, deren vom Eheman zugestandenes Taschengeld die Beitragszahlung nicht erlaubt.)

    Eine Frau kann sich auch auf Ämter bewerben oder Arbeitskreisen beitreten. Ob Frauen unterproportional oft gewählt werden oder ob sie aus Arbeitskreisen herausgeekelt werden, weiß ich nicht. Ich kenne es aber so, dass es in Arbeitskreisen wohltuend um Inhalte geht. Man könnte mal eine Statistik machen über Wahlen, deren Frauenanteilen auf der Kandidatenliste und nachher im Gremium. Oder die Frauenanteile in Arbeitskreisen, unter den Fachgruppenleitern und Regionalgruppenleitern ermitteln.


    1. Ich würde hier mal das "Gender-Time-Gap" erwähnen. Frauen verwenden ihre Zeit nach der Arbeit häufiger den Sorgetätigkeiten, Männer der Fortbildung - oder dem Ehrenamt.

      1. Wie kann man daran etwas ändern? Sicher nicht, in dem man Frauen dazu drängt mehr Ehrenämter wahrzunehmen und Vereinigungen bestraft, die ihre Frauen nicht genügend dazu drängen. (In der Regel gibt es für Ehrenämter keine Stichwahlen, sondern wir sind froh über alle, die sich engagieren)

        Man kann dadurch etwas ändern, dass wir die Rolle der Männer ändern. Sie sollen sich gleichberechtigt um Kinder kümmern. Sie müssen dafür in die Pflicht genommen werden - dazu aber auch die Freiheit bekommen. Auch nach einer Trennung müssen sie in der Verantwortung bleiben und dürfen sich weder leichtfertig davonstehlen können, noch vertrieben werden. Übernehmen Männer mehr familiäre Verantwortung, haben Frauen mehr Freiräume. Dahin ist ein weiter Weg und die deutsche Politik ist da eher Schlußlicht in Europa und doktert lieber an Symptomen herum. Was die GI hier machen kann, ist auf familienfreundliche Arbeitsbedingungen für ALLE zu pochen und dafür zu sorgen, dass gerade auch Männer familiäre Verantwortung wahrnehmen können.

        Auf Vereinsebene gehören dazu natürlich auch Kinderbetreuung auf Veranstaltungen etc.

      2. Unter dem "Gender-Time-Gap" versteht man den Effekt, daß Frauen im Schnitt weniger Stunden pro Woche arbeiten als Männer, ca. 39 vs. 30 h/Woche. Ursache ist die häufige Teilzeitarbeit bei Frauen.

        Daher haben Frauen wegen des Gender-Time-Gaps  im Durchschnitt **mehr** Zeit als Männer für außerberufliche Aktivitäten, z.B. in der GI. Das Gender-Time-Gap vergrößert also allenfalls das Rätsel, warum sich Frauen so wenig in der GI engagieren.

        1. Ja, aber die Frauen, die freiwillig Teilzeit arbeiten (also nicht, weil die Stelle nur als Teilzeitstelle existiert), die haben vermutlich zeitaufwändige Gründe dafür, z.B. andere Verpflichtungen.


    2. "Eine Frage bleibt bei mir noch offen: Warum gibt es überhaupt so wenige Frauen in der GI?"

      Ich weiß nicht, ob das die richtige Frage ist. Man muß m.E. auch fragen, warum es so wenig Männer in der GI gibt. Bei mehreren 100.000 Informatikern im Arbeitsmarkt ist die Organisationsquote deutlich unter 10%. Bei anderen Standesgesellschaften ist sie deutlich höher. Bei den 150k Mitgliedern des VDI wird man schon neidisch.

      Ihre Frage kann man auch so formulieren: Warum ist in der Informatik bei den Frauen die Organisationsquote (also die Bereitschaft, sich in einem Berufsverband zu engagieren), noch schlechter als die Quote bei den Männern, obwohl die ohnehin schlecht ist und leicht zu toppen wäre.

      "(Ich hoffe mal, dass es kaum Informatikerinnen gibt, deren vom Eheman zugestandenes Taschengeld die Beitragszahlung nicht erlaubt.)"

      Durch welche Brille nehmen Sie denn die Welt wahr? Ich muß hier leider davon berichten, daß ich so einige männliche Informatiker kenne, die primär wegen des Beitrags nicht Mitglied werden (obwohl sie genügend Taschengeld haben ;-) ), weil es ihnen persönlich nichts bringt.

      Alle Maßnahmen, mit denen Sie die Attraktivität der GI erhöhen, wirken übrigens auf Männer und Frauen gleichzeitig und ändern vermutlich nichts an den Relationen. Mit einer feministischen Kaperung der GI (Frauenquoten, Gender-Sterne etc.) könnte man aber so einige Männer herausekeln, das könnte helfen.

      Von den (zu wenigen) Mitgliedern engagiert sich wiederum nur ein Bruchteil aktiv in Arbeitskreisen o.ä. Aktivitäten, grob geschätzt vielleicht 10%. Ob dieser Anteil bei Frauen und Männern verschieden ist, wüßte ich gerne.

      1. Ja, das stimmt, es gibt auch zu wenig Männer in der GI!

        Und ja, ich habe am Infostand auch schon Diskussionen mit Männern geführt, die von mir vorgerechnet bekommen wollten, was sie für den Mitgliedsbeitrag bekommen und ob das sich finanziell lohnt. Zu den Regionalgruppenvorträgen können sie als Nichtmitglied ja kostenlos hingehen. Eigentlich steckt dahinter die Frage, was es grundsätzlich nutzt, sich in einem Verein zu organisieren.

        Aber an diesem Thema ist die GI ja schon ein paar Jahre dran...




  6. Wie viele Frauen gibt es denn in der GI? Wie sieht es in den Führungsgremien aus? Gibt es da eine Unterrepräsentation? Zahlen dazu habe ich noch nicht gesehen. Ein Verband ist Repräsentant seiner Mitglieder - nicht irgendwelcher gesellschaftlicher Gruppen.

    1. 11% Frauen in der GI. 25% im Vorstand, 50% in der Geschäftsführung. 20% im Präsidium. 25% im erweiterten Vorstand. Alles zum Teil gerundet. In den sichtbaren Führungsgremien gibt es also überdurchschnittlich viele. In den eher fachlich orientierten Gremien (Fachbereiche, Fachgruppen) gibt es sehr viel mehr Männer. Z.B. wird von 14 Fachbereichen derzeit genau einer von einer Frau geleitet.

  7. Gleichstellung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Mentor*innen für 11% der Mitglieder ist da ein sowohl diskriminierender als auch ineffektiver Ansatz.

    Vielmehr sollten wir genderneutral Mentoring bereitstellen, dabei aber neue Rollenmodelle fördern. Das bedeutet, dass wir z.B. auch Männer dabei unterstützen sollten, in Elternzeit zu gehen, uns für familienfreundliche Arbeitszeiten einsetzen, die es gerade auch männlichen Mitgliedern ermöglichen, eine stärkere Rolle in der Familie wahrzunehmen und damit Frauen mehr beruflichen Freiraum verschafft.

    Das fördert Gleichstellung wesentlich effektiver und ist auch frei von Diskriminierung, die die GI laut ihrer Satzung ja ablehnt.

    1. Jörn Erbguth Dank für Ihren Input. Die Erarbeitung neuer Rollenbilder für Männer unterstützen wir, ein gerechteres Zusammenleben und Arbeiten eint uns in der Zielsetzung. Ein Mentorinnen-System, wie hier im Ansatz vorgeschlagen kann/soll allen Interessierten offen stehen. Sicher können davon auch Männer profitieren, die sollen davon nicht ausgeschlossen werden. Den Vorwurf, dieses Modell würde inhärent diskriminieren, nicht kann ich deshalb nicht nachvollziehen.

      1. Elisabeth Schauermann vielen Dank für Ihre Antwort. Leider sind Mentor*innen*modelle meistens nicht inklusiv aufgestellt, sondern richten sich nur an Frauen. Auch wenn Sie das anders gemeint haben, haben Sie das nicht so formuliert, insbesondere an anderer Stelle Männer in der Regel davon explizit ausgeschlossen sind. Nehmen Sie z.B.

        https://www.uni-stuttgart.de/universitaet/profil/chancengleichheit/mentoring/

        https://www.uni-potsdam.de/de/career-service/studierende/programme/mentoring-fuer-studentinnen.html

        https://www.mentoring.uni-konstanz.de/

        https://www.mentoringhessen.de/

        Gibt es überhaupt Mentoringprogramme an deutschen Universitäten, bei denen Männer nicht ausgeschlossen werden?

        Von daher wundert mich, dass Sie meinen, Sie könnten diesen Vorwurf nicht nachvollziehen. Schlagen Sie hier Dinge vor, die Sie nicht kennen?

        1. Jörn Erbguth Mal ganz unabhängig von den hier diskutierten Papieren: mit dem Beirat des wissenschaftlichen Nachwuchses haben wir gerade ein Mentoringprogramm für Frauen UND Männer konzipiert, das wir hoffentlich im Oktober vorstellen können. Derzeit feilen wir noch an den technischen Prozessen. Dieses Programm schließt zwar auch aus (wink), aber nicht Männer, sondern Nicht-GI-Mitglieder. Ohne Scherz: wir planen das als Service aus der GI für die GI-Mitglieder. Sie scheinen mir dafür übrigens ein geeigneter Mentor für bestimmte Themen/Personen zu sein. Würden Sie sich zur Verfügung stellen? Falls ja, können wir das gerne per E-Mail klären.

          1. @Cornelia Winter
            Das hört sich gut an. Auf Grund der einseitigen Ausrichtung der meisten anderen Programme, halte ich es für wichtig klarzustellen, dass die GI da offener ist.
            Über eine Mitarbeit können wir gerne in Kassel sprechen.

  8. Mit dem Positionspapier einverstanden. Zu den internen Leitlinien hält sich meine Begeisterung sehr in Grenzen.

    Kurz zusammengefaßt: Die GI sollte nicht versuchen, sich wie eine politische Partei zu verhalten, ansonsten entstehen genau dieselben Effekte wie dort und die Attraktivität der GI sinkt, statt zu steigen - insbesondere für Leute, die sich der Informatik mehr verpflichtet/verbunden fühlen als der Gesellschaftspolitik.

    Konkret: Es ist (auch demokratietheoretisch) sehr fragwürdig, eine Quote zu beschließen, die sehr deutlich oberhalb des Anteils in der Mitgliedschaft liegt. Für einige Gremien (z.B. auf der FG-Ebene) ist es völlig unsinnig, da man ohnehin große Schwierigkeiten hat, sie mit guten und aktiven Leuten zu besetzen - auch hier ist die Grundgesamtheit der Mitglieder in der jeweiligen Community als Kennzahl im Auge zu behalten. Daß man im Zweifel eher eine Frau nimmt als (schon wieder) einen Mann, ist aus meiner Sicht klar - eine vom Vorstand top-down verordnete Quote i.H.v. fast dem Dreifachen des Mitgliederanteils halte ich jedoch für keine gute Idee, ebensowenig wie den Zwang zu "geschlechtergemischten" Veranstaltungen.

    Um das Gesagte richtig einzuordnen - ich bin der, mit dem z.B. eine große Frauen-Karrieremesse öffentlich wie folgt wirbt: 

    und habe in den letzten Jahren ziemlich viel Zeit und Energie darin investiert, daß wir in unserem Master - der explizit für Führungspositionen in der DT ausbildet -  konstant über 40% Frauen haben. Mir ist das Thema also wichtig. Aber wir sollten aufpassen, daß wir als GI nicht etwas beschließen, das mehr schadet als nützt und das eigentliche Problem unangetastet lassen. Das Problem lautet: Die GI ist ein Männerverein.

    Handlungsempfehlungen:

    1. Die Kennzahl, an der die GI als erstes und massiv arbeiten muß, sind die 11%. *Daraus* sollten 30% werden.
    2. Massive öffentlichkeitswirksame Kampagne zur Pflichtfachinformatik und Druck auf die Politik - denn daß wir die nicht schon seit 20 Jahren haben ist der Hauptgrund, warum Frauen mit Informatik nicht in Berührung kommen und ergo nicht in die Informatik gehen. Das wichtigste Mittel zu mehr Frauen in der Informatik ist a) der Zugang zur Technik durch Unterricht und b) das Role Model "Informatiklehrerin" in der Schule. *Hier* hat die GI eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und hier kann sie etwas bewirken.
    3. Anstreben, daß Frauen in Gremien jeweils in höherem Anteil vertreten sind als in der Grundgesamtheit (und sie als Role Models für Studentinnen und Doktorandinnen herausstellen), aber den Gremien und Veranstaltern nichts "par ordre de mufti" von oben verordnen, sondern ihnen die Freiheit lassen, in ihren eigenen Angelegenheiten selbst sinnvoll zu entscheiden - im Zweifel gern für eine Frau.
  9. | Anstatt eines Top-Down-Ansatzes
    Was meint das hier? Der Satzteil kann weg.

  10. Konzept der Quote

    Den starren Zwang bei den nächsten anstehenden Veranstaltungen/ Gremienbesetzungen bereits völlig anders aufgestellt zu sein finde ich sehr löblich, da kämpferisch. Als Neuling kann ich jedoch nicht beurteilen wie realistisch es ist das in allen Arbeitsbereichen zu schaffen. Als mittelfristiges Ziel klingt das super, aber wenn Zweifel besteht könnte eine schrittweise Entwicklung vieleicht gesünder für das "organische Heranwachsen" von nicht-männlichen Vorbildern sein.

    Interne Unterstützung

    Diesen Mentoring-Ansatz finde ich sehr wichtig! Vielleicht wäre es auch ein Gedanke bei der Neubesetzung von Gremien grundsätzlich für neue(re) Mitglieder eine Begleitung durch ein erfahrenes Mitglied für die Eingewöhnung anzubieten. Das kann nicht nur von Nicht-Männern angenommen werden, hilft aber sicher hauptsächlich ihnen am meisten.

    Geschlechtergerechte Sprache

    Sehr guter Ansatz! Freut mich wirklich, dass nicht nur Wortsprache, sondern auch Bildsprache thematisiert wurde.

    Diversity

    Leider finde ich es recht schwierig grundsätzlich im Papier von einer Stärkung aller Geschlechter zu sprechen und dann im Endeffekt bei konkrten Maßnahmen nur über Frauen zu reden (vgl. Feedback des GI Präsidiums).  Eine Möglichkeit die Quote somit alltagstauglicher zu machen wäre trans* und intergeschlechtliche Menschen einzubeziehen und somit eine Quote für geschlechtlich Marginalisierte zu haben. Damit könnten an manchen Orten weitere Kanditat*innen für zu besetzende Gremien oder Podien hinzukommen statt vereinzelte Frauen mit Aufgaben zu überschwemmen.

    1. Die Ausdehnung von Quoten nach weiteren Kriterien als der von Mann/Frau scheint mir problematisch zu. Abgesehen vom hier schon mehrfach erwähnten Problem, überhaupt Menschen zu finden, die für ein Ehrenamt zu gewinnen wären, bringt dieser Vorschlag zwei Probleme mit sich:

      • Nach welchen Kriterien soll quotiert werden, nach welchen nicht? Nach Geschlecht (biologisch und/oder sozial)? Nach Alter, Herkunft, Behinderung, Bildungsabschluss (Promotion, BSc, Fachinformatiker), Arbeitsort (Universität, freie Wirtschaft, selbstständig), ...? Es wird schwer fallen, hier einen Satz von Kriterien zu finden, die nicht willkürlich und damit angreifbar sind.
      • Je mehr Kriterien berücksichtig werden sollen, um so größer muss das Gremium werden. Ist das noch praktikabel?


      1. Mir geht es nicht um eine zusätzliche Quote, sondern die Kritierien der Frauenquote auszuweiten um 1. eine diversere Förderung zu haben und 2. eben genau dieses Problem der fehlenden Leute zumindest an einigen Stellen aufzuweichen, indem weitere Menschen in Frage kommen, die keine Frauen sind, aber trotzdem unter patriarchal-sexistischen Strukturen leiden.

        Optimaler Weise sollten alle Menschen, die Diskriminierung erfahren, unterstütz werden. Hier geht es aber um Geschlecht, daher war mein Vorschlag die Quote auf alle geschlechtlich Marginalisierten auszuweiten anstatt nur Frauen. Ich habe das Gefühl mich bei der Antwort nur wiederholen zu können.

        Nur weil mehr Menschen für die Quotenregelung in Frage kommen, heißt das nicht, dass das Gremiun größer werden muss? Wie kommt dieser Schluss zustande? Nur weil sich mehr Frauen (nach Vorschlag obiger Papiere) für einen Platz in einem Gremium bewerben, werden diese schließlich auch nicht alle angenommen und damit das Gremium größer.

        1. Nur weil mehr Menschen für die Quotenregelung in Frage kommen, heißt das nicht, dass das Gremiun größer werden muss? Wie kommt dieser Schluss zustande?

          Betrachtet man als Beispiel Personen des dritten Geschlechts ("divers"), dann zeigt sich, dass deren Anteil an der Bevölkerung recht gering ist. Sei die Größe der Bevölkerung B, der Anteil von Personen des dritten Geschlechts an ihr D. Bei einem Gremium mit G Mitgliedern müsste eine Quote G * D/B Sitze für diese Personen reservieren. Bei einem hinreichend kleinen Verhältnis von D/B ist die Zahl dieser Sitze näher bei 0 als bei 1. Sollen jetzt aber Personen des dritten Geschlechts im Gremium mindestens einen Sitz haben, so muss die Größe des Gremiums so weit erhöht werden, dass G * D/B >= 1 wird. Das wird zumindest dann notwendig sein, möchte man nicht diese eine marginalisierte Gruppe mit mehr Sitzen ausstatten, als ihr ihrem Anteil nach zukommen.

          Quoten sind entweder willkürlich oder praktisch nicht anwendbar.

          1. "Mir geht es nicht um eine zusätzliche Quote, sondern (..) die Quote auf alle geschlechtlich Marginalisierten auszuweiten anstatt nur Frauen."
            Danke für die Rechnung, ist aber an meinem Kommentar vorbei. Alle trans* und diversgeschlechtlichen Menschen fallen in meinem Vorschlag mit in die Frauenquote, die dann halt anders heißt.

        2. Wenn man Plätze, die für Frauen vorgesehen waren, nicht besetzt bekommt und dann freilassen muss, dann erhöhe ich in einem Fachgruppenleitungsgremium die Zahl der Fachexperten so stark, das (a) alle unterkommen, die auch vor der Freilassen-Regelung hätten unterkommen sollen, plus n Plätze, die ich frei lasse, weil ich nicht die Quote geschafft habe. Ergebnis wie vorher, ohne Freilassen-Regelung. (smile)

          Im Ernst: zumindest für die Fachgruppen in dem von mir vertreteten Fachbereich ist leider die Erfahrung, dass man eine geiwssen Mühe hat, überhaupt ausreichend Bewerber zu bekommen, Kampfabstimmungenkenn eich gar keine. Insofern ist die Situation leider nicht die, die durch doe pben besprochenen Regelungen möglicherweise angeniommen wird: dass es ausreichend viele Frauen gibt, die aber aufgrund schierer Bosheit oder eines unconscious bias nicht genommen werden.

          Die Quote finde ich gut, da es nochmal besonders animiert, Frauen für Leitungsgremien anzusprechen und sehr bewusst nach ihnen zu suchen. Auf lange Sicht wären aber vor allem Massnahmen wichtig, um mehr Frauen in die Fachgruppe und deren aktive Arbeit zu bekommen.

          1. Ich verstehe nicht, warum der Kommentar als Antwort an mich gerichtet ist. Ich befürworte die "Freilassen-Regelung" gar nicht.

  11. Da mein Kommentar im Text an der Stelle mit der Gremienbesetzung in dieser allgemeinen Diskussion vermutlich nicht gesehen wurde, anbei nochmal. Es ist schön etwas zu fordern, aber man sollte vorher verstehen, wie Gremienbesetzungen in der GI (siehe z.B. die GOGL, oder einfach bestehende Gremien mal ansehen) funktionieren. In Fachbereichen ist es qua amt und in den Fachgruppen mit Wahl eines nach Plätzen oben offenen Leitungsgremiums. Daraus ergibt sich logisch das folgende:

    In der Tat geht die Regel mit den unbesetzt bleibenden Plätzen im Gemium an der Realität der Fachbereichsgremien vorbei (von denen die meisten Plätze ja qua Amt aus den Fachgruppen besetzt werden). In den Fachgruppen selbst ist es auch nicht wirksam, da man mangels Obergrenze der Gremiengröße genug Zählstellen schaffen kann, die unbesetzt bleiben. Natürlich könnte man in der GOGL (GI Ordnung der Glieerungen) hier eine Obergrenze festschreiben, aber selbst dann wird sich das Problem nicht lösen, dass man eher froh ist wenn man übrhaupt Kandidaten findet....

    Ich finde eine 30% Quote tragbar (auch wenn es nicht berücksichtigt, dass der Frauenanteil sehr unterschiedlich ist, je nach Fachbereich / Fachgruppe), aber ich würde die Aussage mit den unbestzten Plätzen einfach weglassen, da nicht anwendbar (Fachbereich) oder unwirksam (Fachgruppe). Lieber sagen, dass Massnahmen unterstützt werde sollen, mehr Frauen übrhaupt in die aktive Fachgruppen zu bekommen.


    1. "Es ist schön etwas zu fordern, aber man sollte vorher verstehen, ...."

      Völlige Zustimmung. 

      Etwas genereller gesagt haben nach meinem Eindruck die Initiatorinnen dieser Aktion nicht verstanden (oder wollen ggf. gar nicht verstehen), wie ein von Freiwilligen getragener Verein funktioniert: sie präsentieren hier die klassische feministische Realitätswahrnehmung, die überall nach Opfern von Diskriminierungen sucht, dann immer die gleichen Rezepte verordnet und das ganze zum zentralen Daseinszweck erhebt. Das ganze wird geschmückt mit Gendersternen, die gemeinhin als ideologisches Bekenntnis zur feministischen Ideologie zu verstehen sind. Daß diese Ideologie Gegenstand heftiger politischer Debatten ist, wird zufälligerweise nirgends erwähnt.

      Weitgehend unklar bleibt auch, wen man eigentlich missionieren will:

      - die vielleicht 1000 - 2000 aktiven Mitglieder der GI, die in Arbeitskreisen oder Fachgruppen mitarbeiten?

      - auch die ~20.000 passiven Mitglieder?

      - die ganze Gesellschaft, s. dazu den Kommentar zum sehr fragwürdigen Absatz 2.2.4 der Satzung (https://confluence.gi.de/pages/viewpage.action?pageId=36079007&focusedCommentId=39256218#comment-39256218")

      Zugespitzt formuliert: ist die Mitgliedschaft in der GI künftig mit einer Zwangsmitgliedschaft bei B90/die Grünen verbunden?

      Oder versteht sich die GI als ideologisch / parteipolitisch neutral?

      1. Dass der Ansatz nicht auf ein von Freiwilligen getragener Verein passt, sehe ich auch so.

        Aber es gibt eine gesellschaftliche Entwicklung, die die Informatik in einen neuen Kontext stellt. Während bislang die Informatik entweder im wissenschaftlichen Elfenbeinturm oder als reine Igenieursdisziplin gesehen wurde, hat sich ihre Rolle in der Gesellschaft verändert. IT-Systeme haben einen zunehmenden Einfluss auf unser Leben. Die Angst vor der KI grassiert. Unreflektiert wird von Presse und Politik ein Bild gemalt, dass Programmierer*innen künftig unser Leben bestimmten würden. Dann wird entdeckt, dass hier der Männeranteil besonders hoch ist. Damit ist die Männerherrschaft bewiesen, die es mit aller Kraft zu bekämpfen gilt.

        Aber hinter diesem Populismus steckt ein wahrer Kern. Wissen um IT ist ein wichtiger Baustein, um über die künftige digitalisierte Gesellschaft zu diskutieren und dort sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Auf dem Internet Governance Forum hatte ich von Mitarbeiterinnen von NGOs gehört, dass es sie stört, dass sie sich nun mit Technologie auseinandersetzen müssen. Informatik und Ethik ist zu einem großen Thema geworden - auch wenn ich die Ergebnisse der vielen dazu aus dem Boden sprießenden Gremien in der Mehrzahl eher als "wirr" bezeichnen würde. Die Informatik wird für mehr Leute und insbesondere auch mehr Frauen interessant. Ich denke, diese gesellschaftliche Entwicklung wird den Anteil an Informatikstudentinnen deutlich stärker erhöhen als alle Fördermaßnahmen zusammen. Gleichzeitig wird Informatik stärker politisiert werden. Das sehen wir auch an dieser Initiative und dem müssen wir uns stellen.

        1. "IT-Systeme haben einen zunehmenden Einfluss auf unser Leben."

          Ja und nein, das hängt von dem Referenzzeitpunkt ab. IT-Systeme haben seit den 1980er Jahren einen ganz enormen Einfluß auf unser Leben. Ob der seither noch **wesentlich** gesteigert worden ist,  ist gar nicht so klar. Ich kann mich gut an einen Vortrag von Herrn Denert vor ca. 3 Jahren erinnern, der keinen Hehl aus seinem Ärger darüber machte, daß viele (insb. in der großen Politik) auf einmal "die Digitalisierung" als die neue große Herausforderung erkannt haben, als ob es die nicht schon seit Jahrzehnten gäbe. Neu sind die Geschäftsmodelle und die immer leistungsfähigeren und billigeren Netzwerke, die diese Geschäftsmodelle ermöglichen. An den besseren Netzwerken waren aber auch die Elektroingenieure wesentlich beteiligt (Ehre, wem Ehre gebührt), und die neuen Geschäftsmodelle kommen mit Sicherheit oft von BWLern o.ä. Berufen. 

          D.h. "die Informatiker" sind keineswegs die einzigen, die die technologiegetriebenen Veränderungen unserer Realität verursachen. Wobei wiederum nur ein Bruchteil der in der IT Tätigen formal in Informatik qualifiziert und zusätzlich Mitglied in der GI sind. D.h. eine Missionierung der GI-Mitglieder hat m.E. nur marginalen Einfluß auf die gesellschaftliche Entwicklung.

        2. "Angst vor der KI grassiert"

          Kann man so sehen, und diese Angst wird vor allem in unsere Presse erzeugt von Leuten, die scheinbar nicht einmal entfernt verstehen, wovon sie reden. Besonders schönes Beispiel: Renate Künast kämpft gegen die Macht von Algorithmen . Nun können ja Spitzenpolitker nicht von allen Fachgebieten Ahnung haben. Erschreckend ist hier, daß offenbar selbst unter den vielen Beratern von Frau Künast niemand imstande war, sie darauf hinzuweisen, daß die hier üblicherweise benutzten künstlichen neuronalen Netze gerade keine klassischen Algorithmen sind und daß so etwas wie "Transparenz der Daten" begrifflicher Unsinn ist.

          Unabhängig davon, sollte man auch hier beachten, daß für big data, KI u.ä. keineswegs die Informatiker alleinzuständig sind. Statistiker und Mathematiker spielen hier m.E. eine viel größere Rolle als Informatiker. Ich kenne so einige Informatik-Curricula (bzw. habe selber bei etlichen mitgeschrieben) und würde behaupten, daß nur ein Bruchteil der bisher an Unis ausgebildeten Informatiker die hier erforderlichen mathematischen Grundlagen erlernt hat. Ob sich das ändert, führt zu der Frage, wieviel Platz man künftig im Curriculum für die KI-Themen reserviert und ob das ggf. nur eines von mehreren Vertiefungsgebieten ist.

          Auch hier komme ich wieder zum Schluß: das Thema KI ist hochspannend und wichtig für die Gesellschaft, und ganz am Rande ist es auch irgendwie relevant für Gender und Diversity, es ist aber sinnlos, deswegen die komplette GI feministisch zu indoktrinieren. 

          1. So hat auch Frau Merkel den Begriff "Algorithmen" verwendet. Und wenn nur genügend Leute einen Begriff falsch verwenden, so ändert sich die Bedeutung des Begriffs. Schauen Sie sich z.B. an, was alles unter Algorithmic Decision Making (ADM) publiziert ist - auch von höchsten Stellen bei der EU und der UN. Diese falsche Bedeutung bekommen wir da nicht mehr raus. Auf Grund der widersprüchlichen Bedeutungen vermeide ich diesen Begriff inzwischen.

            Allerdings können wir zumindest erklären, dass sich da niemand hingesetzt und wenn-dann-Regeln geschrieben hat. Das ist nämlich die vorherrschende Vorstellung, die auch dadurch gefördert wird, wenn nicht IT-ler mal einen Programmierkurs besucht haben und dann denken, Software würde immer so gebaut werden.

            Gesellschaftspolitisch geht es da vielfach darum, mit Ängsten umzugehen, Feindbilder zu identifizieren und die Rezepte unterzubringen, die auch in anderen Kontexten auf der Tagesordnung stehen. Ich hoffe, dass wir da in den nächsten Jahren dazu kommen, dass sich interdisziplinäre Fachkreise mit den relevanten Fachfragen beschäftigen. Aktuell ist das überwiegend noch nicht der Fall. Schauen Sie sich z.B. die vielen Ethik-Papiere an, die da produziert werden. Vielfach sind da die Forderungen so umfassend und vage, dass sie praktisch überhaupt nicht umsetzbar sind. Gleichzeitig wird der Einsatz von Deep Learning z.B. bei Uploadfiltern ohne jegliche Ethik-Prüfung von seiten der Gesetzgeber*innen vorgeschrieben, als ob es die ganzen Ethik-Diskussionen nicht geben würde.

            1. "Diese falsche Bedeutung bekommen wir da nicht mehr raus."

              Ganz so pessimistisch wäre ich hier nicht. Das genau aber ist eine typische Aufgabe einer Fachgesellschaft, hier klärend einzugreifen, um die Diskussion zu versachlichen. Das kann sie aber nur glaubwürdig tun, wenn sie frei von jedem Verdacht ist, ideologisch gefärbt zu sein.

              "die vielen Ethik-Papiere"

              Oben hatte ich ja schon die Elektroingenieure und BWLer lobend erwähnt. Nachzutragen wären noch Philosophen und Juristen. Die "Normalinformatiker" sind schlicht nicht dafür ausgebildet, diese Themen eigenverantwortlich zu bearbeiten. Das geht nur interdisziplinär mit den anderen Gebieten bzw. mit eher seltenen Fällen, wo eine Person doppelt qualifiziert ist. D.h. die Alleinverantwortung der Informatik(er) für gesellschaftliche Entwicklungen, die unterschwellig immer wieder postuliert wird, ist m.E. nicht gegeben.

    2. Ralf Reussner Danke für Ihren Input! Die Kaskadenwirkungen einer Quote über verschiedene Gremien und der Funktionalität ihrer Besetzung muss tatsächlich in der nächsten Konsolidierung herausgearbeitet werden. Demgegenüber schließt es sich nicht aus, konkrete Maßnahmen zu erarbeiten, und das allgemeine Ziel (mehr Frauen in den Gliederungen) voranzustellen. Das soll auf Basis der Rückmeldungen geschehen.

      1. @Elisabeth Schauermann

        Eine Quote ist ein Eingriff in die demokratischen Abläufe eines Vereins. Man sollte da nicht eingreifen, es sei denn es gibt wichtige Gründe die das erforderlich machen. Damit etwas erforderlich ist, muss es zum einen einen legitimen Zweck verfolgen und zum anderen auch geeignet sein, diesen Zweck zu erreichen. Beides ist hier aber nicht der Fall.

        Würden z.B. Frauen von der männlichen Mehrheit der Mitglieder generell nicht gewählt, so könnte man deshalb eine Quote erwägen. Ein Blick in die Zahlen hat uns aber gelehrt, dass Frauen größere Chancen haben als Männer gewählt zu werden (um genau zu sein, sie wurden in den letzten Jahren immer gewählt).

        • Die Chancen von Frauen ins Präsidium gewählt zu werden beträgt 100%.
        • Im Präsidium sind Frauen gemessen an den GI-Mitgliedern deutlich überrepräsentiert.

        Von daher sehe ich keine Rechtfertigung dafür hier eine Quote festzulegen. Gerne hätte ich daher von Ihnen eine Stellungnahme,
        a) ob Ihnen diese Fakten bekannt waren und
        b) warum Sie trotzdem (nach dem Ihnen die Fakten zumindest jetzt bekannt sind) für eine Quote plädieren.

        Eine Quote ist daher aus folgenden zwei Gründen unzulässig:

        • Sie würde effektiv nichts ändern - mehr als 100% aller Kandidatinnen lassen sich nicht wählen.
        • Frauen haben keine schlechteren Chancen bei Wahlen in der GI.

        Natürlich kann man damit argumentieren, dass man "Zeichen setzen" will. Dafür aber halte ich die demokratischen Prinzipien im Verein doch für zu wichtig.

        1. Jörn Erbguth

          Wie von Cornelia Winter auch schon an andere Stelle ausgeführt, zeigt sich, dass die verschiedenen Gremien der GI hier sehr unterschiedlich sind. Leitlinien sind auch genau das - im besten Fall ein Hilfestellung dabei, das Potenzial der GI auf allen Ebenen in Zukunft noch besser auszuschöpfen. Es geht auch nicht darum, dass ich persönlich für eine Quote plädiere. Seien Sie gewiss, dass wir ihr hier geäußertes Feedback dazu in die Konsolidierung einbeziehen. Diese Texte sind ein erster Vorschlag. Ich bin froh, dass wir diverse Rückmeldungen darauf kriegen und damit weiterarbeiten dürfen.

        2. Mit allem einverstanden bis auf einen Hinweis auf einen Kampfbegriff, den Sie vermutlich nicht bewußt verwendet haben:

          "Im Präsidium sind Frauen gemessen an den GI-Mitgliedern deutlich überrepräsentiert."

          Das waren modulo Kandidatenfindung freie, aber unter den verfügbaren Kandidaten gleiche, unmittelbare und geheime Wahlen. Die Gewählten repräsentieren ihre Wähler, das Geschlecht spielt keine Rolle.

          Begriffe wie über- oder unterrepräsentiert sind klassisches Denken in Kollektiven (das ich ablehne). Deswegen finde ich nicht, daß Frauen überrepräsentiert sind (wink)


          1. Man kann darüber streiten, ob Demokratie oder Repräsentation oder eine Kombination von beiden das richtige Konzept ist. Wenn aber auch nach allen Maßstäben kein Defizit (innerhalb der GI wohlgemerkt) vorhanden ist, fällt die Argumentation in sich zusammen. Das gilt für diejenigen, die das Prinzip der Repräsentation wichtiger finden und für die anderen sowieso.

            Anders ausgedrückt. Aktuell haben alle Frauen im GI-Präsidium volle demokratische Legitimität. Mit Quote würde diese Legitimität beeinträchtigt (ob viel oder wenig kann man sicher streiten) ohne auch nur eine Frau mehr im Präsidium zu haben.

  12. Ich grüble noch etwas über den Sinn und Unsinn einer Quote. Es ist gut, sich ein Ziel zu setzen, eine Kennzahl, anhand derer man sieht, ob das Ziel erreicht ist oder nicht. Falls nicht, kann man ein paar Maßnahmen ergreifen. Einige gibt es ja schon wie die Frauen-Fachgruppe und spezielle Stammtische nur für weibliche Informatiker.

    Es ist aber noch etwas anderes, wenn man eine Quote definiert, die erreicht werden muss, sei es durch spezielle Wahlverfahren oder freigehaltene Plätze in Gremien. Das bedeutet nämlich praktisch erstens eine Verkomplizierung von Verfahren und zweitens, dass die Bewerbungen von Frauen aus dem Stapel aussortiert und anders behandelt werden. Eigentlich ist das auch "Diskriminierung" im weiteren Sinne, nämlich eine Andersbehandlung aufgrund des Geschlechts. Sobald Gleichberechtigung in den Köpfen und in der Gesellschaft herrscht, werden sich die Frauenanteile innerhalb der GI von selbst aufs richtige Niveau begeben.

    Ich gehe nicht davon aus, dass in der GI Frauen systematisch, massiv und / oder gezielt behindert und diskriminiert werden. Dazu sind die Frauenanteile nämlich zu hoch. Daher müsste man auch keine drastischen Maßnahmen ergreifen, sondern eher softe Maßnahmen wie z.B. die Organisatoren von Podiumsdiskussionen und Vortragsveranstaltungen dafür zu sensibilisieren, dass sie auch Frauen aufs Podium einladen. Zaubern kann man da aber auch nicht. Wenn die Top-Expertinnen zu einem Thema an diesem Tag alle in New York auf derselben Tagung sind oder schon auf 12 Monate im voraus ausgebucht, lässt sich nichts machen.

    Jemand hat angemerkt, dass es sowieso schwierig ist, Freiwillige für Ehrenämter zu finden. Genau darum gibt es da auch kaum Diskriminierung. So richtig deftig wird die Diskriminierung nur dort, wo es um gut bezahlte und sehr renommierte Positionen geht, aber weniger bei unbezahlten, zeitaufwändigen Ehrenämtern, durch die man so ungefähr bei 100 Personen bekannt wird.

    1. Völlige Zustimmung.

      "Ich grüble noch etwas über den Sinn und Unsinn einer Quote." 

      Gut so! (wink) Ich auch, habe aber schon eine ziemlich klare Meinung...

      "Das bedeutet nämlich ..., dass die Bewerbungen von Frauen aus dem Stapel aussortiert und anders behandelt werden. Eigentlich ist das auch "Diskriminierung" im weiteren Sinne, ..."

      Stimmt, es ist aber noch viel schlimmer. Konzeptionell müssen Sie nämlich hierzu die gesamte Population in Kollektive ("die Männer", "die Frauen") partitionieren. Die Kollektive stehen sich automatisch konkurrierend, um nicht zu sagen feindlich, gegenüber. Die Kollektive sind jetzt die primären Rechteinhaber, die Quotenplätze gehören zunächst dem Kollektiv. Als Individuum verlieren Sie Ihre Rechte. Nur über die Mitgliedschaft im Kollektiv (der Frauen) können Sie sich um die Plätze, die dem Kollektiv gehören, bewerben.

      Mental werden Sie dazu trainiert, sich nicht mehr als Individuum zu verstehen, sondern als Mitglied eines Kollektivs, und Mitglieder anderer Kollektive nicht mehr als Ihren Interessenvertreter zu akzeptieren.

      Das steht in fundamentalem Widerspruch zur der für die Demokratie grundlegenden Vorstellung, daß alle Menschen politisch gleichwertig sind.

      Das ganze nennt man auch Identitätspolitik (https://de.wikipedia.org/wiki/Identitätspolitik). Bei Rechtsradikalen bzw. "Identitären" wird genau dieses Denkmuster benutzt, um die Trennung ethnischer Gruppen zu fordern, oft unter der euphemistischen Bezeichnung "Ethnopluralismus". Man kann deswegen nicht eindrücklich genug vor Identitätspolitiken warnen, die sind pures Gift.

      Und mit Frauen- oder Geschlechterquoten sind Sie mitten drin in einer Identitätspolitik und machen das Prinzip hoffähig!

      1. Ich glaube von Frauenquoten bis zu den Identitären ist es ein sehr weiter Weg. Etwas Gelassenheit täte dieser teilweise emotionalen Diskussion gut.

        1. Ich finde das gar nicht so weit hergeholt. Üblicherweise fühlen sich Frauenquoten für mich gar nicht gut an. Ich habe noch nie das Gefühl gehabt, dadurch irgendeinen Vorteil zu haben, sondern eben eher dieses Gefühl von Aussortierung und Spezialbehandlung. Weniger Probleme habe ich mit Zusatzveranstaltungen und Sonderförderung separat. Also, beispielsweise eine Konferenz nur für Frauen oder ein spezielles Frauenstipendium. Das ist schon OK.

          Aber wo wir tatsächlich als Geschlechter zusammen unterwegs sind, müssten wir irgendwie eine möglichst krampffreie Art der Zusammenarbeit finden. Quoten machen leider niemanden locker.

      2. Ich bin ehrlich gesagt etwas entsetzt über das Gedankengut und die Vergleiche, die Sie hier verbreiten. Da sind Verschwörungstheorien über eine vermeintliche Diktatur der politischen Korrektheit ja nicht mehr fern.

        Um das richtig zu stellen: Die Aufteilung in Kollektive, die Sie beklagen, ist nicht grundsätzlich der Identitätspolitik anzulasten. Vielmehr erwachsen Identitäten, um die es hier geht, ganz im Gegensatz zu den rechten Identitäten, aus gemeinsamen Diskriminierungserfahrungen. Das Kollektiv wird von außen durch die Wahrnehmung und Diskriminierung definiert. Die Gruppe selbst nimmt dann im Widerstreit gegen diese Diskriminierung die Identität an und kämpft um Gleichberechtigungstellung. Die Identität ist dabei hilfreich zur gemeinsamen Organisation und um zu fassen zu bekommen, worum es bei der Diskriminierung geht. Denn die hängt sich ja nicht an den Individuen auf, sondern eben an der von außen aufgezwungenen Gruppenzugehörigkeit.

        Unter dieser Analyse führt Ihr Vergleich mit den rechten Identitären auch schwer in die Irre. Zwar haben Sie formal Recht, dass Identitäten für die Rechten eine große Rolle spielen. Das macht die Identität aber nicht zu den gleichen wie bei Anti-Diskriminierungs-Engagements. Beide Fälle lassen sich sauber unterscheiden, und zwar daran, ob es darum geht, Gleichberechtigungstellung zu erreichen, oder eigene Privilegien und Pfründe zu verteidigen.

        Darüber hinaus ist ein perfider Punkt Ihrer Argumentation, dass ja so naheliegt als gäbe es Gleichberechtigungstellung schon und die Unterscheidungen zwischen Gruppen (etwa Männer und Frauen) sei nur noch künstlich von Identitätspolitiker*innen erzeugt. Die Unterscheidung rührt aber von weiterhin bestehenden diskriminierenden Praktiken her. Da braucht es keine Identitätspolitiker*innen oder Aktivist*innen zu.

        Noch pointierter: Die unterliegende Diskriminierung ist das pure Gift, nicht der Aktivismus, der dagegen erwächst.

        Es gibt zu diesem Thema auch einen guten Essay von Susemichel und Kastner im Deutschlandfunk, die das Thema noch deutlich nuancierter und in größerem Detail auseinander nehmen.

        /edit im Sinne 'präziserer Verwendung der Begriffe' (Erbguth) das Wort 'Gleichberechtigung' durch 'Gleichstellung' ersetzt.

        1. Eine gefährliche Nähe zwischen Feminismus und rechtsradikalen Ideologien sehe ich in der Tat auch nicht. Trotzdem möchte ich Ihr zentrales Entscheidungskriterium "Gleichberechtigung" in Frage stellen und zudem eine präzisiere Verwendung der Begriffe vorschlagen. In der politischen Debatte wird da viel durcheinander geworfen. Wir sollten da etwas sorgfältiger sein. Um was es mir geht, sind die Begriffe "Gleichberechtigung", "Chancengleichheit" und "Parität" oder "Ergebnisgleichheit".

          Gleichberechtigung ist längst kein Ziel des Feminismus mehr. Gleichberechtigung hatten wir irgendwann in den 90er Jahren erreicht. Dann wurden andere Ziele verfolgt: Chancengleichheit und schließlich Parität. Gleiche Rechte berücksichtigt nicht, dass nicht alle die gleiche Ausgangssituation haben. Chancengleichheit versucht dies zu kompensieren. Aber auch Chancengleichheit stellt nur auf die individuelle Situation ab. Parität betrachtet die Situation gruppenbezogen was die scheinbare Nähe zu identitären Ideologien verursacht. Wenn man solche Parallelen sieht, kann man diese auch zwischen Arbeiterklasse und Adeligen sehen. Beide definieren sich über Klassen, sind aber in anderen Dingen grundverschieden.

          Um was es mir geht, ist eine differenzierte Diskussion ohne die Begriffe zu vermengen. Wer "Gleichberechtigung" fordert, muss gegen Quoten sein, denn Quoten haben nun wirklich nichts mit gleichen Rechten zu tun. Ich habe es selbst erlebt und habe selbst dafür gekämpft, Gleichberechtigung endlich zu erreichen. So wurde z.B. der verpflichtende Handarbeitsunterricht für Mädchen auf Grund des Verstoßes gegen die Gleichberechtigung endlich abgeschafft. Inzwischen hat sich der Trend aber gerade da wieder umgekehrt und wir haben wieder zunehmend unterschiedliche Veranstaltungen nur für Mädchen. Um Gleichberechtigung geht es also offensichtlich nicht mehr.

          Schließlich wurde mit der Chancengleichheit argumentiert. Was ist, wenn alle die gleichen Rechte haben, aber Arbeiterkinder oder Mädchen weniger von ihren Eltern unterstützt werden. Dann muss der Staat eingreifen und selektiv unterstützten. Das BaföG wird eben nicht gleichberechtigt an alle ausgezahlt, sondern nur an diejenigen, deren Eltern kein Geld haben. Während es beim BaföG noch eine individuelle Prüfung gibt, wird woanders pauschal an Hand von Rasse oder Geschlecht selektiert. Diese "positive Diskriminierung" war ein klarer Bruch der Gleichberechtigung, weil das Ziel der gleichen Chancen und der Gleichstellung als höherrangig angesehen wurden.

          In den letzten Jahren hat sich nun aber gezeigt, dass auch gleiche oder bessere Chancen keine Garantie dafür sind, dass Frauen bei bestimmten Berufe im gleichen Umfang vertreten sind. Über die Ursachen kann man streiten. Von sozialer Prägung über unbewusste Diskriminierung bis hin zu einem geschlechtsspezifischen Bias der betroffenen Frauen und Männer. Wenn aber Chancengleichheit besteht, warum ist dann eine fehlende Ergebnisgleichheit ein Problem? Wenn im Parlament hautpsächlich Männer entscheiden, ist das weniger ein Problem der Frauen, die sich nicht zur Wahl haben aufstellen lassen und daher nicht im Parlament sitzen. Vielmehr ist könnte es ein Problem sein, dass die Frauen in der Bevölkerung im Parlament nicht genügend vertreten sind. Ob Frauen besser von Frauen vertreten werden und ob Frauen so frei sein sollen, sich Männer als Vertreter zu wählen, ist da eine der diskutierten Fragen. Ob die Gesetzgeber*in eingreifen darf und den Wähler*innen vorschreiben kann, dass sie nur gleichviel Frauen und Männer wählen dürfen, wird gerade in Brandenburg ausprobiert und demnächst wohl von den Verfassungsgerichten entschieden.

          Zur Versachlichung der Debatte sind daher - wie Sie geschrieben haben - Vergleiche mit den Identitären sicher nicht hilfreich. Ebensowenig hilfreich ist es aber auch, die Begriffe zu vermischen und zu behaupten, es ging hier darum, "Gleichberechtigung" zu erreichen. Darum geht er hier gerade nicht.

          1. Wenn Sie Gleichberechtigung so eng definieren wollen, dann haben Sie Recht. In Anpassung an Ihre Begriffe habe ich das oben durch die allgemeinere 'Gleichstellung' ersetzt, um über formale Rechtsfragen hinaus zu gehen.

            In den letzten Jahren hat sich nun aber gezeigt, dass auch gleiche oder bessere Chancen keine Garantie dafür sind, dass Frauen bei bestimmten Berufe im gleichen Umfang vertreten sind.

            Dass das gezeigt worden wäre, wäre mir neu. Das wirkt auf mich, als hätten Sie einen recht engen Begriff von 'Chancengleichheit'. Das überwiegende Vorhandensein männlicher Netzwerke, sexistische Verhaltensweisen, etc., im Allgemeinen also eher 'softe' und nicht formale Faktoren, beeinflussen auch die Chancen in einem Feld und da herrscht sicherlich keine Gleichheit.

            Wenn aber Chancengleichheit besteht, warum ist dann eine fehlende Ergebnisgleichheit ein Problem?

            Wenn Sie tatsächlich garantieren könnten, dass Chancengleichheit in einem umfangreichen Sinne existiert, könnte ich mich darauf vielleicht einlassen, aber ich habe erhebliche Skepsis. Denn unter Abwesenheit plausibler Bezüge zwischen der Gruppenzugehörigkeit (in diesem Fall Geschlecht) und der Ergebnisvariable sollte man bei gleichen Chancen auch gleiche Ergebnisse erwarten, und die Abwesenheit gleicher Ergebnisse sollte daher extrem skeptisch machen, ob wirklich gleiche Chancen bestehen und eher noch 'versteckte' Hindernisse (oft genug stellt sich dann heraus, dass die gar nicht so versteckt sind).

            1. Man kann Chancengleichheit statistisch betrachten. Nehmen Sie viele Parteien: Wenn dort der Anteil der Frauen bei den Mitgliedern geringer ist als bei den Abgeordneten, so kann man m.E. kaum von mangelnder Chancengleichheit für Frauen reden, sondern kann eher schließen, dass hier Männer geringere Chancen haben.
              Natürlich ist das nicht überall der Fall und es gibt im Einzelfall viele Aspekte, die die Chancen einer Kandidat*in beeinflussen.  Aber für eine generell vorliegende Chancenungleichheit zu Lasten von Frauen sehe ich keinen Beleg. Männernetzwerke sind überwiegend aufgelöst, Frauennetzwerke werden offiziell gefördert. Sexistische Verhaltensweisen passieren auch gegenüber Männern und "softe" Faktoren gibt es ebenfalls in beide Richtungen. Ich selbst wurde aus einer Firma gemobbt, da der Chef ein Verhältnis mit einer Kollegin hatte und ich ihrer Blitzkarriere im Weg stand.
              Cornelia Winter schreibt:
              "11% Frauen in der GI. 25% im Vorstand, 50% in der Geschäftsführung. 20% im Präsidium. 25% im erweiterten Vorstand. Alles zum Teil gerundet. In den sichtbaren Führungsgremien gibt es also überdurchschnittlich viele. In den eher fachlich orientierten Gremien (Fachbereiche, Fachgruppen) gibt es sehr viel mehr Männer. Z.B. wird von 14 Fachbereichen derzeit genau einer von einer Frau geleitet."
              Von daher sehe ich von den Zahlen her keinen Beleg, dass die Chancengleichheit im Allgemeinen in der GI für Frauen schlechter wäre. Wären die Zahlen andersherum, hätte die GI 89% Frauen als Mitglieder und entsprechende Männeranteile, so würden diese Zahlen vermutlich als ein Beleg für mangelnde Chancengleichheit von Frauen gesehen werden.
              Man kann Parität fordern - aber nicht wegen mangelnder Gleichberechtigung oder mangelnder Chancengleichheit. Nur habe ich hier bislang kein überzeugendes Argument gelesen, warum ein Mitgliederverein Gleichberechtigung und Chancengleichheit (noch stärker) aufgeben sollte um Parität oder eine 30%-Quote herzustellen. Wer mit Gleichberechtigung oder Chancengleichheit argumentiert, muss eine solche Quote ablehnen. Ich kann mir, wie gesagt, andere Gründe dafür vorstellen, aber wir sollten so redlich sein, diese auch zu benennen.

        2. Ich würde hier gerne einen "Gefällt mir nicht" Knopf drücken.

          Kelters Warnung vor identitätspolitischer Molekularisierung (i.S. v. Enzensberger) ist nichts hinzuzufügen.

  13. Ich sehe nicht, welches Problem durch Gender-Leitlinien etc. gelöst werden sollte.

    Frauen sind in der GI bzw. der Informatik insgesamt gegenüber ihrem Bevölkerungsanteil unterrepräsentiert? Na und? Warum ist das ein Problem? Die implizite Unterstellung, Frauen würden systematisch und gegen ihren Willen an der Beschäftigung mit Informatik (bzw. generell MINT Themen) gehindert, widerspricht meiner gesamten, langjährigen Erfahrung und mMn auch der Wirklichkeit.

    Die hier vorgetragene Initiative verursacht bei mir nur Kopfschütteln.

    1. Ich kann auch nur noch mit dem Kopf schütteln. Ich klinke mich jetzt aus der Diskussion aus und werde auch die GI verlassen, wenn das Präsidium diesen oder einen ähnlichen Unsinn beschließt. Hat mal jemand drüber nachgedacht, wie gefährlich es für eine Organisation mit 90% Männeranteil ist, eine männerfeindliche Politik zu machen? Könnte existenzbedrohend werden ....


      1. Wenn 50% der Männer vergrault werden, steigt der Frauenanteil auf 20%. Ohne Opfer geht das nicht ;-)

        1. Das ist doch die Lösung! (wink)

          1. Das ist ein häufiges Problem mit Kennzahlen.

            Ich sehe bloß die Männerfeindlichkeit nicht. Wo werden durch diese Leitlinie Männer geschädigt?

            1. "Geschädigt" ist ein starkes Wort - aber natürlich bedeutet die Förderung einer Gruppe immer die Benachteiligung der nicht geförderten Gruppen. Es geht ja gerade nicht um eine Gleichbehandlung. Diese würde zwar eventuell auch Privilegien streichen und damit auch Gruppen "schädigen" - aber darum geht es hier nicht. Es geht um die Einführung neuer Privilegien. Das kann begründet sein. Es ist aber eine Abweichung vom Gleichbehandlungsgrundsatz und muss daher im Detail begründet sein.

              So ist natürlich eine Entscheidung, dass Männer z.B. keine kostenlose Mentor*innen erhalten - egal ob sie alleinerziehend oder irgendwie benachteiligt sind - eine pauschale Benachteiligung von Männern. Selbst wenn man die Annahme teilt, dass eine allgemeine Benachteiligung gerechtfertigt ist, sollten wir hier Öffnungsklauseln für Härtefälle aufnehmen.


              1. Ein Mentoring für alleinerziehende Männer oder Hausmänner fände ich im Sinne der Gleichberechtigung sehr sinnvoll. Solchen Lebensentwürfen fehlt es auch noch an Vorbildern und Erfahrungswerten, sind aber unterstützenswert!

      2. Michael Clasen Axel Mahler Jörn Erbguth Danke für Ihre Rückmeldungen . Wir fänden es schade, wenn sie die GI verlassen, Herr Clasen. Eine Überlegung die ich zum Vorwurf der Männerfeindlichkeit hier lassen möchte: gutes Zusammenleben und gesellschaftlicher Fortschritt ist kein Nullsummenspiel. Männern in der GI wird nichts genommen durch das Erkennen, dass es für die Informatik und die GI noch viel Potenzial gibt, wenn mehr Frauen aktiv und sichtbar werden. Wenn Menschen, die sich bisher nicht so zahlreich engagiert haben, nun vermehrt Anknüpfungspunkte finden, profitieren wir als Fachgesellschaft ingesamt. Es geht nicht darum, Männer zu verdrängen. Alle Möglichkeiten, die Sie und andere bisher in der Fachgesellschaft hatten, stehen Ihnen nach wie vor offen. Mit der Etablierung neuer Maßnahmen und Formate (wie z.B. die in den Arbeitspapieren vorgeschlagenen) finden Sie vielleicht auch weitere Gestaltungsmöglichkeiten in der GI. 

        1. Nochmal. Ich habe absolut nichts gegen Frauen, ganz im Gegenteil! Ich fände es schön, wenn mehr Frauen in der GI aktiv wären. Ich bin überzeugt davon, dass eine Organisation von Vielfalt nur profitieren kann.

          Aber nicht über vorgeschriebene Quoten. Denn genau dies führt eben doch zu einem Nullsummenspiel. Wenn 50% der Vorstandsposten mit Frauen besetzt werden müssen, haben künftig Männer schlechtere Chancen als heute.

          Ich stehe zu 100% für Gleichberechtigung, nicht aber für 100% Gleichheit. Gleichstellung halte ich sogar für ein Verbrechen! Gleichstellung verhindert Gleichberechtigung. Diese beiden Konzepte schließen sich gegenseitig aus.

        2. Elisabeth Schauermann Ich verstehe nicht wirklich, warum Sie die allergischen Reaktionen nicht verstehen. Ich versuche es einmal mit einem drastischen Vergleich, denn Sie **bitte** nicht wörtlich auf sich übertragen, aber ich verzweifle ein bißchen daran, warum die Bedenken von Herrn Clasen und anderen offenbar nicht verstanden werden.

          Vor einer Weile habe ich ein Interview eines islamistischen Predigers gelesen (das Transskript genaugenommen). Jeden größeren Redebeitrag leitete er mit einem Satz "Allah ist groß und mächtig" ein. Wenn zwischendurch von der Welt die Rede war, dann vergaß er nicht zu erwähnen, daß Allah die Welt geschaffen hat, und wenn das Wort Allah fiel, dann nicht ohne eine Verneigung Richtung Mekka. Würden Sie in einer Welt leben wollen, wo Sie ständig dem Beispiel des Predigers folgen müssen, damit das Potenzial unter den Muslimen besser ausgeschöpft wird?

          Vielleicht macht dieser drastische Vergleich klar, daß es andere Menschen gibt, die die in feministischen Kreisen völlig normale, sozusagen alternativlose Verwendung von Gendersternen und Frauenquoten als Unterwerfung unter eine Ideologie verstehen, die sie für hochgefährlich halten und strikt ablehnen.

          Wenn Ihnen die Funktion von Gendersternen oder Tiefstrichen nicht bewußt ist, empfehle ich folgenden lesenswerten Artikel eines bekannten feministischen Aktivisten in der ZEIT:  Geschlechtslos in Hannover, dort ab der Überschrift "Das Gendersternchen verliert seine Bedeutung". Kleiner Auszug:

          "Anders als bei den eingangs diskutierten geschlechtsneutralen Formulierungen handelt es sich bei den orthografischen Konventionen nämlich um das, was in der Sprachwissenschaft als "soziolinguistischer Marker" bezeichnet wird – sprachliche Merkmale, die von der Sprachgemeinschaft mit bestimmten sozialen Gruppen assoziiert werden. ...."

          Im Endeffekt kritisiert der Autor an der allgemeinen Verwendung von Gendersternen oder Tiefstrichen, daß hiermit eine Subkultur ihres Identifikationssymbols beraubt wird.

          Stimmt. Vor allem macht er aber klar, **daß** es sich um Identifikationssymbole handelt.


          "Männern in der GI wird nichts genommen durch das Erkennen, dass es für die Informatik und die GI noch viel Potenzial gibt,..."

          Ich denke, daß alle Männer in der GI sehr gut erkannt haben, daß die GI noch viel Potenzial hat, daß mehr Frauen in der GI mitarbeiten. Die Männer in der GI brauchen auch keine Nachhilfe dahingehend. Insofern ist das ganze ein Strohmannargument.

          Genommen wird den Männern (übrigens auch den Frauen) in der GI ein Raum, in dem man sich über fachliche Probleme austauschen kann, ohne sich einer bestimmten politischen Ideologie zu unterwerfen, ohne deren Realitätswahrnehmung, Identifikationssymbole und Denkmuster übernehmen zu müssen.

          Genau das ist m.E. der Grund, der zu den Austrittsdrohungen führt, und nicht die Absicht, Frauen an der Mitarbeit oder Mitgliedschaft in der GI zu hindern oder sinnvolle Werbemaßnahmen dahingehend zu verhindern.

          1. Zum Gendersternchen habe Sie sicher recht, es geht nicht um eine statische neue Sprache, sondern darum (positiv ausgedrückt) Problembewusstsein zu demonstrieren oder (negativ ausgedrückt) um Sprachmacht.

            Daher sind wir auch von der Schrägstrichschreibweise über Binnen-I zum Gendersternchen gekommen und werden sicher bald eine neue politische korrekte Form einführen. Nur damit können sich die Progressiven abgrenzen und die anderen abwerten.

            Dass Sprache Macht ist, haben die Feminist*innen früh (und richtig) thematisiert. Nun wird das auch angewandt, um die Gesellschaft zu verändern.

            Das finde ich in weiten Bereichen durchaus positiv. Nur sollten wir den Machtaspekt dabei nicht ausblenden.

  14. Wenn ich mir diese Sorgen so anhöre, bin ich schon froh, dass ich - obwohl GI-Mitglied - hier draußen in der Freiheit lebe.

  15. Ich bin dafür diese Leitlinien in den Papierkorb zu verschieben. Die Forderung nach einer undemokratisch totalitären Quotenregelung sagt schon alles über die Qualität dieser Leitlinien aus.

    1. So pauschal würde ich das nicht sehen. Wir müssen analysieren, ob

      1. hier ein reales Problem besteht (z.B. Frauen die kandidieren werden nicht gewählt)
      2. die Quote dieses reale Problem beheben kann (z.B. durch eine Quote kommen viele Frauen zur GI, die Ämter übernehmen wollen)
      3. das Problem so wichtig und die Lösung so effektiv ist, dass dieser Eingriff in die Demokratie im Verein gerechtfertigt ist.

      Die Diskussion um Punkt 3 führt schnell zu ideologischen Grabenkämpfen. Aber bereits Punkt 1 und Punkt 2 sind nicht gegeben. In den Führungspositionen sind in der GI Frauen überproportional vertreten. Zudem wurden alle zur Wahl stehenden Frauen in den letzten Jahren ins Präsidium gewählt. Eine Quote hätte also nicht geändert. Hier hätte die AG Daten erheben und mitteilen sollen. Dass sie das nicht getan hat, empfinde ich zumindest als unprofessionell. Daher stimme ich Ihnen im Ergebnis (aber nicht in Ihrer Argumentation) zu.

  16. Es soll ein Q&A ausgearbeitet werden, in dem gendertypische Stereotype und Vorurteile über die Informatik thematisiert und aufgearbeitet werden.

    Ich fände es hilfreich, wenn es ein solches Q&A oder andere Handreichungen nicht nur für die interne Kommunikation oder für die Außendarstellung der GI gibt, sondern man es weiter fasst, also z.B. ein Dokument

    "Tipps und Hinweise für einen sensiblen Umgang mit Gender und Geschlecht in Präsentationen"

    erstellt.

    Dazu eine Anekdote aus meinem Berufsleben: Ich war einmal auf einem mehrtägigen Lehrgang und da ist mir aufgefallen, dass die Präsentationsfolien des Vortragenden viele Beispiele hatten, in denen Programmierer X, Y und Z auftauchten, aber die Programmierer durchweg nur männlich waren, also Programmier Hans, Klaus und Ingo, so ungefähr. Kein einziger Frauenname tauchte auf.

    Das habe ich in dem Feedback-Fragebogen des Lehrgangs auch erwähnt. In dem Moment wäre es super, wenn ich auf ein Dokument der GI verweisen könnte, wo diese Thematik für einen Präsentierenden aufgearbeitet wurden. Der Addressat ist dann womöglich nicht GI Mitglied, aber man kann dann auf eine Institution verweisen, die Autorität besitzt.

    1. Antje Kazimiers : Wir haben so etwas (seit 1999!): https://gi.de/fileadmin/GI/Hauptseite/Service/Infomaterial/gi-gleichbehandlung.pdf. Schauen Sie da mal durch, ob das dem (in etwa) entspricht.

      1. Cornelia Winter, vielen Dank, das ist schon ganz gut und als Referenz auf jeden Fall, was ich gesucht habe.
        Mir fallen recht spontan ein paar Sachen ein, die man in solch einem Dokument ergänzen könnte. Zum Beispiel finde ich es gut, wenn man typische Rollenverteilungen einfach mal umkehrt, also wenn der Sysadmin mal weiblich ist und der Anwender oder der Tester männlich. Aber das wird dann schon recht konkret und überspannt vielleicht den Rahmen eines solchen Dokuments.

  17. Ich teile keine der Leitlinien und bitte den Vorstand, sie nicht zu beschließen.

    Die GI sollte meiner Meinung nach die Informatik als Sachgebiet fördern und damit alle Personen, die Informatik betreiben, ohne Diskriminierung. Eine Ausnahme hiervon sollte nur für die Förderung der Jugend gemacht werden.

  18. Horst Borrmann schrieb gestern um 10:55 AM:

    Sehr geehrter GI-Vorstand (m/w/d), ich überlege jetzt, meine Mitgliedschaft nach 33 Jahren zu kündigen, um damit mit meinen abgegebenen Anteil zur Steigerung der Frauenquote beizutragen.

    1. Daniel Krupka antwortete:

      Sehr geehrter Herr Borrmann, das wäre sehr schade. Bei diesen Papieren handelt es sich um Diskussionsbeiträge aus der Mitgliedschaft. Es würde uns freuen, wenn Sie uns Ihre sachlichen Kommentare, Anregungen, Kritikpunkte, Wünsche etc. zu den Vorschlägen zukommen lassen würden, damit sich die Autorinnen mit diesen konstruktiv auseinandersetzen können.
      Freundliche Grüße,
      Daniel Krupka

      1. Das Problem bei diesem Thema ist, daß eine "konstruktive" Diskussion mit "sachlichen Kommentare, Anregungen, Kritikpunkte, Wünsche.. " nicht möglich ist, ohne sich lächerlich zu machen. Ich empfinde die Versuche von Männern, sich "sachlich" und "verständnisvoll" dazu zu äußern, meist als peinlich.

        Ich persönlich kann "Gender" nicht "konstruktiv" diskutieren - ich würde mir wünschen, daß dieser Unsinn verschwindet.

        Apropos Lachen: ich empfehle allen, die sie noch nicht kennen die britische TV Serie "The IT Crowd", insbesondere die letzte Folge. Vielleicht hilft das bei der Auflockerung der "Debatte".

        1. Bisher hat das mit der Diskussion wunderbar funktioniert! Da war auch gar nichts Lächerliches dabei, schon gar kein lächerlicher Versuch.



          1. Naja, ich empfinde Manches in der Diskussion schon als grenzwertig - aber das ist bei solch einem Thema klar. Da gibt es - denke ich - nahezu überall mehr oder weniger verhärtete Fronten, Menschen, denen das wichtig ist, Menschen, die das lächerlich finde, Frauen, die sich im Arbeitsleben diskriminiert fühlen und eine, wie auch immer geartete, Unterstützung wünschen oder brauchen, andere, die Quote, Sonderbehandlung und Unterstützung ablehnen, weil sie sich stark genug fühlen, und sich eher durch eine Quote diskriminiert fühle ("Ich will keine Quotenfrau sein. Ich besteche durch Leistung.").

            Was ich aber tatächlich hier (völlig unabhängig vom Thema) bemerkenswert finde: unsere Mitglieder engagieren sich. Sie haben Lust und investieren Zeit, um sich auseinanderzusetzen. Ich persönlich habe manchmal das Gefühl, dass wir im luftleeren Raum agieren und kaum Rückmeldung kommt. Wenn es dann aber so ist wie hier, finde ich das erst einmal sehr postiv.

            1. Grenzwertig? Uff, ich finde, dass es hier sehr gesittet zugeht im Vergleich zum 3D-Real Life. Da kann mann unprotokolliert ziemlich üble Machosprüche reißen. Ich hab mal eine Sammlung aufgeschrieben für ein Gender-Projekt. Da blieb kein Auge trocken!!

              Besonders tolle Sprüche und Erlebnisse hatte ich, nachdem ich mich selbständig gemacht habe. Dann stand ich offensichtlich nicht mehr unter dem Schutz eines Mannes (Chefs), was den Status einer Frau doch sehr senkt. Und dann ist die Bahn frei für die tollsten Sprüche. Aber ich nehme an, selbst der aggressivste Macho würde seine Dummheiten nicht in ein Confluence eintippen wollen. (smile)

      2. "... damit sich die Autorinnen ..."

        Sehr geehrter Herr Krupka,

        Sie sind ja einer der beiden männlichen Mitglieder des AK. Beide gehören zu den 3 Mitgliedern des AK aus der GI-Geschäftsführung, stehen also sozusagen "über den Debatten" in der GI.

        Ich gehe davon aus, daß Sie "Autorinnen" nicht als generisches Feminium gemeint haben (was ja vorkommt, korrigieren Sie mich ggf. bitte), sich selbst also nicht als Autor verstehen, was konsistent mit der Rolle als GI-Geschäftsführung wäre, sondern nur die ersten 5 Mitglieder in der Mitgliederliste.

        Hierzu einige Fragen:

        • Wer hat über die personelle Besetzung des AK "Gender (und Diversity)" entschieden?
        • Kann man aus der personellen Besetzung des AK "Gender (und Diversity)" ablesen, daß man ausschließlich Frauen dafür geeignet hält, Positionspapiere zu den Themen Gender und Diversity zu verfassen?
        • Wurden auch Männer darum gebeten, in diesem AK als Autor mitzuarbeiten? (Ich hätte Verständnis dafür, wenn Sie lauter Absagen bekommen haben, hierzulande riskiert man als Mann leicht eine soziale Hinrichtung in den Medien, wenn man sich öffentlich kritisch zu feministischen Forderungen äußert.)
        • Wenn ich es recht überblicke, haben nur 2 der 8 Mitglieder des AK eine Ausbildung als Informatiker, einige weitere sind immerhin Quereinsteiger in die IT-Branche. Glaubt man, daß der so besetzte AK einen fundierten Überblick über die Informatik als wissenschaftliche Disziplin, die vielfältigen fachlichen Aktivitäten innerhalb der GI und den weiten Arbeitsmarkt von Informatikern hat? Ich frage vor allem deshalb, weil die Papiere ziemlich gravierende pauschale Vorwürfe an die Mitglieder der GI enthalten, die der AK idealerweise mit eigenen Erkenntnissen unterfüttern können sollte.
        • Ist es sinnvoll, die Autorinnen eines stark umstrittenen Papiers in einem ideologisch hart umkämpften Themengebiet auch zum Schiedsrichter über die daran geäußerte Kritik einzusetzen? Zwei der Autorinnen, Prof. Barbara Schwarze und Dr. Christine Regitz, gehören seit 10+ Jahren zu den bekanntesten Akteuren auf diesem Gebiet. Jeden hier geäußerten Einwand haben die Autorinnen vermutlich Dutzende bis 100e Mal gehört und abgelehnt. D.h. alle in diesem Forum benannten Kritikpunkte waren mit SIcherheit schon beim Schreiben der Papiere bekannt.

        Mit freundlichen Grüßen,

        Udo Kelter

        1. Sehr geehrter Herr Kelter,

          wie der Verweis auf die Autorinnen zu verstehen ist, liegt im Auge des Betrachters. Ich habe als Augenöffner durchaus Sympathien für die Verwendung eines generischen Femininum. An dieser Stelle haben die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle aber tatsächlich vor allem eine prozessbegleitende und organisatorische Rolle.

          Nun zu Ihren Fragen:

          • Wie bei allen Arbeitskreisen der GI hat sich hier eine Gruppen von Mitgliedern gefunden, der das Thema wichtig ist und die das Thema treiben wollen. Das sind natürlich alles Menschen, die sich nicht erst seid gestern mit der Thematik befassen.
          • Nein, dem ist absolut nicht so. Wenn Sie uns weitere Personen nennen, die Expertise in diesem Bereich haben und sich einbringen möchten, dann freuen wir uns über jede konstruktive Mitarbeit.
          • Die Idee des Arbeitskreises wurde u.a. im Präsidium präsentiert, dem natürlich auch viele Männer angehören. Diejenigen, die letztlich daran mitarbeiten, sind die, die sich engagieren wollten. Die Befürchtung der "sozialen Hinrichtung" kann ich ehrlich gesagt nicht teilen. Die Debatte ist, wie man auch hier in den Kommentaren sieht, natürlich sehr emotional und teilweise hitzig. Aus meiner Sicht kommt es aber in erster Linie auf die Argumente und natürlich auf den Ton an, in dem diese Debatte geführt wird.
          • Ehrlich gesagt haben Sie da wohl mehr Kenntnis über die Bildungshintergründe der AK-Mitglieder. Ich denke aber nicht, dass nur ein/e Informatikstudium oder -ausbildung zur Beteiligung an einer Debatte in der GI befähigt. Im Zweifelsfall ist sie sogar hinderlich, weil es einfach zu wenig Frauen gibt, die ihre Sicht der Dinge und ihre Lebenserfahrungen einbringen. Da haben wir als GI kein Alleinstellungsmerkmal (wobei ein Frauenanteil von 11 % aus unserer Sicht schon den Handlungsbedarf zeigt). Der AK hat ja nicht den Anspruch "einen fundierten Überblick über die Informatik als wissenschaftliche Disziplin" zu geben, sondern Empfehlungen zu erarbeiten, wie wir die GI für Frauen attraktiver machen. Ich bin der Überzeugung, das eine Auseinandersetzung, wie wir sie hier führen, genau dazu beiträgt. Bei den Kommentaren aus dem Präsidium würde ich auch nicht von Vorwürfen sprechen. Es sind Diskussionsbeiträge und viele sind gut und wichtig.
          • Ich würde die Autorinnen auch nicht als Schiedsrichterinnen betiteln. Ob das ein von der GI verabschiedetes Papier sein und wie das final aussehen wird, entscheidet letztlich das Präsidium. Die Autorinnen haben lediglich einen Vorschlag erarbeitet, wie wir das Ziel der Gleichstellung der Frauen in der GI erreichen und dafür gebührt ihnen Dank. Im übrigen sollten wir froh sein, das der AK auf die Expertise von Akteurinnen mehr als 10 Jahren Erfahrung in diesem Felde zurückgreifen kann. Sie würden auch niemanden eine Software entwickeln lassen, der sich zwei YouTube-Videos übers Programmieren angeschaut hat.

          Grundsätzlich freuen wir uns sehr über die so rege Teilnahme und Kommentierung der Vorschläge, weil das zeigt, was für ein lebendiger, diskussionsfreudiger und debattendiverser Verein die GI ist. In diesem Sinne freue ich mich über Ihre Beteiligung und würde mich freuen, wenn Sie sich weiter einbringen.

          Viele Grüße,
          Daniel Krupka

    2. Sehr geehrter Horst Borrmann, als Mitglied ist es mir erlaubt, eine Replik auf Ihren "Beitrag" etwas knackiger zu formulieren: Angesichts solcher zynischen und diversityinkompetenten Beiträge wie von Ihnen sei der Beweis geführt, wie notwendig die hier geführte Debatte ist. Nehmen Sie zur Kenntnis, dass es mehr als ein Geschlecht auf dieser Welt gibt, und dass die Sichtbarkeit unterschiedlich gegeben ist und dass es eine solidarische Aufgabe der gesamten Gesellschaft ist - damit auch von jedweder Zivilgesellschaft, ganz gleich ob kaninchenzüchtend oder Informatik betreibend - daran etwas zu ändern. Selbst bei einer Sozialisation in den 1950ern kann man sich daran gewöhnen, weil es einfach das Richtige ist. 

      1. Wie in der Mathematik ist ja auch in der Informatik die einfachste Lösung immer die beste:

        Entsprechend dem neuesten Stand der Genderforschung schlage ich vor, dass sich alle Männer der GI als Frau deklarieren. Der Einfachheit halber können sich ja die Sterne anschließen. Wie alle guten Lösungen ist sie leicht erweiterbar.

        Zur einfachen praktischen Umsetzung schlage ich eine "Widerspruchslösung" vor.

        Damit können schon ab morgen die hier zur Diskussion stehenden Probleme gelöst sein.



    3. Hallo Herr Borrmann,
      Ich hoffe das war jetzt nur Satire. Zynisch finde ich den Beitrag nicht. Aber satirisch überspitzt und gar nicht so weit von der Realität. Dass Männer doch bitte beiseite oder zurücktreten sollen, damit Frauen endlich ungehindert nach vorne/oben oder wo auch immer hin kommen können, ist eine Forderung, die im gesellschaftlichen Diskurs durchaus zu hören ist - und nicht nur beim Schweizer Frauenstreik. Und um einen Verdacht zuvor zu kommen - nein, ich unterstelle solche Aufrufe nicht der Arbeitsgruppe.

      (https://www.bzbasel.ch/basel/zuruecktreten-mann-eine-anleitung-an-den-basler-fuer-den-frauenstreik-134531510)

      1. Moment mal, die Verhaltensrichtlinien an Männer in diesem Artikel sind gedacht als Anleitung dafür, wie ein Mann sich im Rahmen des Frauenstreiks verhalten soll, wenn er ihn unterstützen möchte. Die Organisatorinnen versuchen damit zu verhindern, dass sich wie immer in gemischten Gruppen die Männer in den Vordergrund spielen. Weil ja bei einer gemischten Gruppe immer die Männer als die Führer, Organisatoren und Experten gelten, während von den Frauen erwartet wird, dass sie sich im Hintergrund halten und die unterstützende "Schattenarbeit" leisten. Das muss ausgerechnet beim Frauenstreik ja nicht schon wieder passieren. Die Presse würde die Männer interviewen, und die würden sich das gerne gefallen lassen und Männer würden in Interviews über Frauen reden wie der Blinde über Farben.

        Das war nicht so gedacht, dass Männer sich überall so verhalten sollen. Diese Liste entspricht genau den Verhaltensregeln, die im Patriarchat für uns Frauen gelten. Und im Kontext des Frauenstreiks ist es ausnahmsweise mal umgekehrt. Ansonsten können die weg!

        1. Ursprünglich sollten Männer beim Schweizer Frauenstreik gar nicht mitmachen dürfen. Sie sollten aber ihren Kolleginnen Urlaub übertragen. Ob sie deren Arbeit übernehmen sollen oder eben gerade nicht, wurde unterschiedlich verkündet:

          https://www.blick.ch/news/politik/an-den-herd-oder-auf-die-strasse-zoff-um-maenner-am-frauenstreik-id15315123.html
          https://frauenstreik.org/wie-streiken/infos-fuer-maenner/
          Darum, dass sich Männer nur nicht in den Vordergrund zu drängen sollen, ging es definitiv nicht.


  19. Hier noch eine Anregung zum Thema "Diversity":

    "Wir vertreten einen vielfältigen Geschlechterbegriff, der insbesondere neben Frauen und Männern auch nichtbinäre Personen einbezieht" (mit Verweis auf Personenstandsgesetz 2018 §22 und §45b)