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Worum geht es bei der Initiative?

Der Anteil weiblicher Mitglieder der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) liegt im Moment bei 11%. Weniger als 25% der Informatik-Erstsemester sind weiblich. Deshalb ist die Förderung von Frauen und Menschen, die aufgrund wahrgenommener oder tatsächlicher Gruppenzugehörigkeiten strukturelle Nachteile erfahren in der Informatik und in der Gesellschaft für Informatik wichtig. Das entspricht der Satzung der Gesellschaft für Informatik e.V., die entstehenden Papiere „Positionspapier Gender & Diversity“ und „Interne Leitlinien Gender & Diversity“ stellen den nächsten Schritt in einer Reihe von Gleichbehandlungsmaßnahmen dar. Nachdem die vorliegenden Textversionen vom Arbeitskreis „Gender & Diversity“ erarbeitet und dem Präsidium der GI am 27. Juni 2019 zur ersten Lesung vorgelegt wurde, sollen jetzt alle Mitglieder die Möglichkeit haben, konstruktiven Input zu liefern.


Woher stammen die Texte?

Der Arbeitskreis Gender & Diversity setzt sich zusammen aus:

  • Christine Regitz, GI-Vize-Präsidentin
  • Ulla Köhler, GI-FG Frauen und Informatik
  • Ulrike Lucke, Vorstand GI
  • Luise Kranich, RG Berlin-Brandenburg
  • Barbara Schwarze, Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit
  • Daniel Krupka, GI-Geschäftsführung Berlin
  • Frithjof Nagel, GI-Geschäftsstelle Berlin
  • Elisabeth Schauermann, GI-Geschäftsstelle Berlin


Was sind die nächsten Schritte?

Bis zum 30. August 2019 können alle GI-Mitglieder die Texte hier kommentieren. Dieses Feedback wird in den darauffolgenden Monaten vom Arbeitskreis Gender & Diversity aufgearbeitet, sodass eine zweite Version Ende 2019 dem Präsidium der GI vorgelegt werden kann.


Warum dürfen nur GI-Mitglieder Feedback geben?

Da es sich um Papiere und Maßnahmen handelt, die direkt die Gesellschaft für Informatik, ihr Handeln nach innen und Auftreten nach außen betreffen, können ausschließlich Mitglieder kommentieren. Da die GI um einen transparenten, nachvollziehbaren Prozess bemüht ist, haben aber auch Nicht-Mitglieder Leserechte.


Ich bin GI-Mitglied. Wie kann ich kommentieren?

Als GI-Mitglied können Sie sich mit Ihren Zugangsdaten zum Mitgliederbereich bei confluence.gi.de anmelden. Sollten Sie Ihren Zugang zum Mitgliederbereich noch nicht aktiviert haben, so können Sie die Aktivierung unter https://meine.gi.de/aktivieren durchführen. Bei technischen Fragen wenden Sie sich an it@gi.de.

Im eingeloggten Zustand können Sie auf den jeweiligen Seiten die Kommentarfunktion unterhalb des Textes nutzen um Rückmeldung dazu zu geben. Bitte formulieren Sie ihre Kommentare präzise und nachvollziehbar, sodass diese in der Nachbereitung bestmöglich einbezogen werden können. Wortmeldungen, die während der Präsidiumssitzung im Juni gesammelt wurden, können Sie hier nachlesen.

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21 Comments

  1. Ich möchte vorschlagen, das Konzept durch die Mitglieder abstimmen zu lassen. Das Konzept stellt Grundpfeiler der demokratischen Prinzipien der GI in Frage, in dem es fordert, dass 11% der Mitglieder künftig 30% der Präsidiumspositionen einnehmen sollen.

    Ein solch massiver Eingriff sollte nicht ohne entsprechendes breites Votum geschehen, da sonst die Akzeptanz fehlen wird und die GI ihre Basis verlieren könnte, von der sie lebt. Eine von von oben "aufgezwungene" Quote, die angesichts von nur 11% weiblichen Mitglieder zudem häufig nicht erfüllbar sein wird, könnte sonst die Existenz der GI in Frage stellen.

  2. "Deshalb ist die Förderung von Frauen und Menschen, die aufgrund wahrgenommener oder tatsächlicher Gruppenzugehörigkeiten strukturelle Nachteile erfahren in der Informatik und in der Gesellschaft für Informatik wichtig."


    Darf man nach fragen, welche "Nachteile" bestimmte Menschen als Individuen "in der GI erfahren"? Gibt es irgendwelche Belege dafür?

    Wer sind die TäterInnen, die die Nachteile erzeugen?

    Was ist an den Nachteilen "strukturell"?? Gibt es auch "Strukturen" innerhalb der GI (die Vereinssatzung?), die diese Nachteile erzeugen?

    Als Informatiker lernt man ja eigentlich, zuerst die Probleme und Anforderungen zu genau zu analysieren und dann eine Lösung zu implementieren. Diese alte Erkenntnis würde hier sicher weiterhelfen.


    Ich bin ansonsten wenig optimistisch, eine Antwort auf die obigen Fragen zu bekommen. Das Argumentationsmuster ist nämlich ein Klassiker aus der feministischen Propaganda:

    1. Ein geringer Frauenanteil - der beliebig viele Ursachen haben kann - wird willkürlich als ein *Nachteil* für diese Frauen bewertet.

    2. Zur Unterstützung dieser moralischen Bewertung wird ohne jeden Beweis und völlig pauschal behauptet, es gäbe "Strukturen" oder "Wahrnehmungen", die den geringen Frauenanteil bewirken.

    3. Aus der Existenz des Nachteils wird geschlussfolgert, Frauen würden *diskriminiert*, dass es einen Verantwortlichen gibt, der einen Handlungsspielraum hat, diesen Nachteil zu erzeugen oder auch nicht. Der Einfachheit halber sind das alle anderen, also "die Männer".

    4. "Die Männer" können nun als Alleinverantwortliche kompensatorisch diskriminiert werden, z.B. durch Frauenquoten.

    Man könnte die Fragwürdigkeit und Gefährlichkeit dieser Denkstruktur noch detaillierter ausführen. Nach der gleichen Unlogik werden Männer in Grundschulen, wo >90% der Lehrer weiblich sind, diskriminiert, und es müssen dort Männerquoten eingeführt werden.

    Die GI sollte sich dringend fragen, ob sie sich zum Vertreter einer sehr speziellen Ideologie machen oder ob sie parteipolitisch neutral bleiben will.

    1. > 1. Ein geringer Frauenanteil - der beliebig viele Ursachen haben kann - wird willkürlich als ein *Nachteil* für diese Frauen bewertet.

      Es gibt eine Studie, die einen Nachteil nachweisen kann:

      Women, your inner circle may be key to gaining leadership roles
      https://www.sciencedaily.com/releases/2019/01/190122133334.htm

      "Women who communicate regularly with a female-dominated inner circle are more likely to attain high-ranking leadership positions [...]"

      "Although both genders benefit from developing large social networks after graduate school, women's communication patterns, as well as the gender composition of their network, significantly predict their job placement level, [...]"

      In einem männlich dominierten Umfeld ist es mit Sicherheit schwieriger, Frauen im engeren beruflichen Netzwerk zu haben, als wenn das Geschlechterverhältnis ausgeglichen ist. Nach den Autoren der Studie wirkt sich das negativ auf die Aufstiegschancen von Frauen aus.

      > 2. Zur Unterstützung dieser moralischen Bewertung wird ohne jeden Beweis und völlig pauschal behauptet, es gäbe "Strukturen" oder "Wahrnehmungen", die den geringen Frauenanteil bewirken.

      Ich denke an der Aussage ist etwas dran. Zum Beispiel gibt es nur sehr wenige Informatikerinnen, die bekannt genug sind, so dass sie ein Vorbild für jüngere Generationen sein könnten.
      Zudem könnte man eventuell beim Informatikberuf auch noch mehr herausarbeiten, welche Aspekte vielleicht eher für Frauen attraktiv sein könnten (z.B. Arbeiten im Homeoffice, das Verbinden mit gestalterischen Tätigkeiten z.B. in der Web- oder allg. in der Anwendungsentwicklung usw.) Das kommt mir regelmäßig zu kurz, und das liegt denke ich an dem geringen Frauenanteil in der Informatik.

      Das alles ist etwas anderes als Diskriminierung meiner Meinung nach, ich denke auch nicht das Frauen pe se diskriminiert werden, weil sie in einer Männerdomäne arbeiten. Der Text sagt das auch nicht aus. Aber schon die genannten Punkte sind für mich Grund genug, dass man Frauen in der Informatik gezielt fördert und anspricht und sie verstärkt in verantwortungsvollen Positionen sehen möchte.

      1. zu 1.: In der zitierten Studie geht es um Karrieren und hochdotierte Positionen in Unternehmen. Wir reden hier aber über die GI, da arbeitet man ehrenhalber.

        Die in der Studie für Frauen angepriesenen "female-dominated inner circle" werden bei Männern als "Männerbünde", "Seilschaften" o.ä. schärfstens kritisiert. Ich bin nicht sicher, ob man das wirklich will und ob man in allen GI-Gliederungen genug Frauen für eine Seilschaft zusammenbekommt.


        zu 2.: Sie sprechen hier eine Reihe von Aspekten an, die bei der Gewinnung von (weiblichem) Nachwuchs eine Rolle spielen können. Wir haben, glaube ich, Konsens, daß wir gerne mehr Nachwuchs hätten, insb. einschlägig talentierten und motivierten. Ich habe selber in diversen Rollen viele Jahre lang Werbemaßnahmen für Schülerinnen mitgetragen oder geplant, als einer von tausenden.

        Schon seit der Jahr-2000-Panik (und der damaligen Greencard-Debatte) gab es jährlich 100e lokale oder überregionale Aktionen, mehr Mädchen / Frauen für die Informatik zu gewinnen. Auch die Wirtschaft hat viel Geld beigesteuert.

        Wenn man dann nach rund 2 Jahrzehnten Bilanz zieht: weitgehendes Scheitern, obwohl die Leute sich alle Mühe gegeben und viel Zeit geopfert haben.

        Man könnte also die Gründen für das Scheitern analysieren (das geht hier aus Platzgründen nicht; es gibt aber m.E. einen zentralen Grund: ideologische Scheuklappen und von daher grundlegend falsche Problemanalyse), ehe man bisher erfolglose Maßnahmen weiterführt oder versucht, mit der Brechstange jetzt endlich etwas zu bewegen.

        Man sollte sich aber wenigstens der vielen erfolglosen Werbemaßnahmen bewußt sein. Genau das fehlt mir bei dieser Gender-Aktion. Die Aktion beschränkt sich darauf, bestimmte Verhältnisse zu beschreiben und zu bewerten (m.E. grob fehlerhaft) und so zu tun, als sei man der erste, dem einfällt, daß man irgendwas unternehmen sollte. Die Lösungsrezepte (Gender-Sprech, Präsentation von role models, Frauenquoten etc.) kennt bzw. praktiziert man seit Jahrzehnten, ohne Erfolg.

        Die Aktion bleibt auch diffus dahingehend, ob man nur die Verhältnisse innerhalb der GI ändern will oder ob man die Gesellschaft gemäß einer feministischen Ideologie umkrempeln will. Für das erste ist die GI in der Tat zuständig. Für das zweite eher nicht, dafür sind politische Parteien zuständig, keine Standesorganisationen. D.h. die Ziele bleiben diffus, und die Machbarkeit bzw. Erreichbarkeit der Ziele bleibt erst recht unklar.

        1. Die in der Studie für Frauen angepriesenen "female-dominated inner circle" werden bei Männern als "Männerbünde", "Seilschaften" o.ä. schärfstens kritisiert. Ich bin nicht sicher, ob man das wirklich will und ob man in allen GI-Gliederungen genug Frauen für eine Seilschaft zusammenbekommt.

          Frauenprogrammiertreffen, Frauentreffen auf Konferenzen, ich finde das gut. Es nimmt niemanden etwas weg und hat mMn auch nicht so viel mit Posten zuschachern zutun, sondern erstmal geht's ums kennlernen, Erfahrungen austauschen und voneinander lernen.
          Ich bin ja oft schon happy, wenn ich nicht die einzige Frau in einer Gruppe bin, aber dass die Frauen die Mehrheit stellen, oder man ist wirklich nur "unter Frauen", das geschieht in meiner Welt hauptsächlich organisiert und selten von allein. Das wäre schade, wenn man das jetzt wieder kritisiert. Auch weil die Studie bezüglich berufliche Netzwerke einen Unterschied zwischen Mann und Frau feststellt: bei Männern ist die Größe des Netzwerks entscheidend, es kann also genauso ein female-dominated Netzwerk sein, bei Frauen ist zusätzlich die Anzahl der Frauen im Netzwerk entscheidend. Deshalb kann man Kritik auch nicht 1:1 von Mann zu Frau übertragen meiner Meinung nach.

          Man sollte sich aber wenigstens der vielen erfolglosen Werbemaßnahmen bewußt sein. Genau das fehlt mir bei dieser Gender-Aktion. Die Aktion beschränkt sich darauf, bestimmte Verhältnisse zu beschreiben und zu bewerten (m.E. grob fehlerhaft) und so zu tun, als sei man der erste, dem einfällt, daß man irgendwas unternehmen sollte. Die Lösungsrezepte (Gender-Sprech, Präsentation von role models, Frauenquoten etc.) kennt bzw. praktiziert man seit Jahrzehnten, ohne Erfolg.

          Es gibt schon auch ein paar Ansätze, die ich erst in den letzten Jahren wahrnehme, die vl. doch noch einen Unterschied machen können. Das klingt auch ein bißchen im Papier an, vielleicht solte man das besser herausarbeiten. Also dass man einen Raum schafft, in dem sich alle, Männer, Frauen, mit Migrationshintergrund, Menschen mit Behinderung etc. willkommen fühlen, wohlfühlen, zusammen lernen können. Eine Szene in einem Talk von Maria Klawe auf einer SuperComputing Konferenz 2016 verdeutlicht das gut:

          "Eliminate macho behaviour" ab 19min
          https://youtu.be/nfSB6I5vb8M?t=1141

          Sie sagt, dass es in der Informatik vorkommen kann, dass ein/e Student/in schon viel Vorwissen hat, total begeistert ist und deswegen viele tiefergehende Fragen stellt, die dann diejenigen verunsichern können, die noch nicht so viel Vorwissen haben. Maria Klawe versucht, es nicht zu solchen Situationen kommen zu lassen und erklärt, wie man das vermeiden kann.

          Ich finde das schon spannend, Faktoren wie diese herauszuarbeiten. Das kommt letztendlich allen zugute, nicht nur Frauen, ob man Mann oder Frau ist dabei irrelevant.

    2. Es geht bei feministischen Themen nicht zwingend darum, wer einzig schuldige*r Täter*in ist. Strukturell bedeutet ja eben das: wir sind alle ein Teil davon, weil wir Menschen, die wir einen bestimmten Geschlecht zuordnen, auf eine andere Weise behandeln. Das muss nichts Negatives sein! Es wird aber zum Problem, wenn dadurch eine Gruppe, die eigentlich gar keine Minderheit ist, nur minimalst repräsentiert wird und somit gesellschaftlich weniger wahrgenommen wird.

      Fehlende männliche Vorbilder in Kindergärten und Grundschulen sind durchaus ein Problem, das ist hier aber nicht Thema und braucht andere Ansätze, da es einfach nicht genug Männer mit der Berufsqulifikation gibt. Da muss noch früher angesetzt werden, genau wie es das Mentoringprogramm hier in der GI tun soll.

      1. eine Gruppe, die eigentlich gar keine Minderheit ist, nur minimalst repräsentiert

        Die Informatik als wissenschaftliche Disziplin, als Teil des Arbeitsmarkts und die GI als Fachgesellschaft repräsentieren nicht, sie sind die jeweilige Gesamtheit ihrer Mitglieder. Deren Zusammensetzung muss eine aus und von den Mitgliedern gewählte Vertretung abbilden, nicht die Gesellschaft. Wenn Repräsentation und Sichtbarkeit überhaupt für eine Quote eine Rolle spielen können, dann basierend auf den vorliegenden Zahlen der Mitgliedschaft, nicht auf den 50% Frauen unter allen Bürgern.

        1. Das war ein allgemeiner Beitrag. Es besteht kein direkter Bezug zur GI im zitiertenTextabschnitt, also auch nicht als Gegenargumnet herzukonstruieren.

          1. Hier auf diesen Seiten wird um Kommentare zu den vorgeschlagenen Texten gehen gebeten. Ich gehe davon aus, dass das einen GI-Bezug impliziert. Allgemeine politische oder gesellschaftliche Beiträge scheinen mir hier fehl am Platz zu sein.

            1. "im zitiertenTextabschnitt"

              Um über Diskriminierung innerhalb der GI streiten zu können, kann die Grundlage der Diskriminierung allgemein nicht ausgelassen werden.

              1. Das sehe ich auch so. Die GI ist Teil der Gesellschaft. Sie hat zwar nur einen punktuellen aber zunehmenden Einfluss auf die Gesellschaft aber sie ist den Entwicklungen der Gesellschaft ausgesetzt. Wäre dies nicht der Fall, dann würden wir die Diskussion hier jetzt nicht führen.

                Allerdings sehe ich hier Auslassungspunkte eher im Bereich der Analyse der Situation in der GI. Vielen Dank an Cornelia Winter, die wichtige Zahlen beigetragen hat, die in der Analyse gefehlt haben. Daher möchte ich den Satz umkehren: Um über Diskriminierung innerhalb der GI streiten zu können, kann die konkrete Situation in der GI nicht außer Acht gelassen werden. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

  3. da gehört m.E. einfach ein Komma hinter 'erfahren', es geht drum daß die GI Menschen, die strukturelle Nachteile erfahren, fördert. 

    Und über die Diskussion daß Frauenquoten Diskrimierung von Männern sind sollten wir eigentlich langsam hinüber sein... Ich empfehle z.B. eine Lektüre der Studien die nachweisen, daß Empfehlungsschreiben für Frauen ein anderes Vokabular verwenden und andere Charakterzüge betonen als für Männer, daß identische Bewerbungsschreiben mit einem weiblichen Namen (oder ausländischem) seltener zu Interviews eingeladen werden etc etc. 

    1. Sorry, das widerspricht meiner Lebenspraxis. Ich war jahrelang Vorstand einer kleinen AG. Erstens gab es nie identische Bewerbungsunterlagen, zweitens war mir die Qualifikation am wichtigsten für den vorliegenden Job, drittens es wurden stets maximal 5 Bewerber/innen eingeladen, viertens ich ziehe diese Studien sehr in Zweifel.

      1. Es geht nicht um Einzelfälle, sondern statistische Untersuchungen und Experimente. 

        eÉs gibt mehrere Studien, die (fake) Bewerbungen erzeugt haben (derselbe Lebenslauf etc.) und dann adaptiert haben, entweder weibliche bzw. männliche Namen, oder (USA-Studie) angelsächsische Namen oder Namen die typisch für Afroamerikaner und Hispanics sind, und dann gezählt wieviele Antworten und Einladungen es gab - also alles streng experimentell. 

        Zu den Empfehlungsschreiben gibt es ebenfalls statistische Untersuchungen. Schon komisch, daß Männer fast nie als 'conscientious' (gewissenhaft) beschrieben werden. 

        Kürzlich gabs ne Studie in dem die Hälfte der Teilnehmer in einem Onlinekurs glaubten, der Lehre wäre ein Mann, die andere Hälfte daß es eine Frau ist (es war aber dieselbe Person), und die Teilnehmer betwerteten  kamen die Lehrperson ganz unterschiedlich - inclusive der Bewertung wie schnell es Feedback etc. gegeben hätte...

        Es gibt hunderte Beispiele! Man kann natürlich immer das in Zweifel ziehen, was man nicht glauben mag...

        Ich würde auch jedem empfehlen, wenn man glaubt selber neutral zu sein, mal den Harvard Implicit Bias Test zu machen https://implicit.harvard.edu/implicit/education.html (auch wenn ich denke daß ich selber keine Vorurteile habe was den Bezug Männlich/Weiblich zu Karriere oder Science betrifft - im Reaktionstest kommt raus, daß es schwerer fällt, die Konnotation zu vergessen...)  

        1. Das ist so eine Sache mit der Statistik und den empirischen Studien. Meine Kollegen von der Analyseabteilung machten sich den Spass aus der bestehenden Datenbasis (80 Mio. Datensätze) ob es eine Signifikanz zwischen Vornamen und Insolvenz gibt - es gibt ihn! Es gab auch einen Unterschied zwischen Frauen und Männern - Frauen können besser mit Geld umgehen. Ist das nun eine Korrelation oder eine Implikation?

          1. Wenn Sie die Korrelation mit den Unternehmensgründungen berechnen, werden Sie auch sehen, dass Frauen deutlich seltener Unternehmen gründen. Daraus kann man jetzt je nach gusto schließen:

            • Frauen gründen Unternehmen erst, wenn sie sicher sind, ein wirtschaftlich tragfähiges Geschäftsmodell zu haben.
            • Frauen bekommen seltener und weniger Kredit bei Banken und VC und überschulden sich daher nicht so leicht.
            • Obwohl Frauen besser mit Geld umgehen können, bekommen sie seltener Unternehmensfinanzierungen.
            • Männer gehen ein höheres Risiko, sind häufiger erfolgreich aber auch häufiger Pleite.
            • Frauen überlassen Geldsachen immer noch häufig ihren Männern.
            • Frauen werden häufiger vor der Insolvenz gerettet.
            • usw.

            Sie sehen, Statistiken sind für alle gut und jede*r kann sich die ihm genehme "objektive Tatsache" daraus ableiten.

          2. ein Experiment (das gezielt einen Parameter variiert) mit statistischer Signifikanz ist was anderes als eine Korrelation... 

    2. "Und über die Diskussion daß Frauenquoten Diskrimierung von Männern sind sollten wir eigentlich langsam hinüber sein"


      Finde ich auch. Daß Frauenquoten sogar grundgesetzwidrig sind, bestätigt seit Jahren ein Verfassungsjurist nach dem anderen.

      Um das Grundgesetz auszuhebeln,  werden die Frauenquoten daher neuerdings vorsichtshalber als Geschlechterquoten formuliert, die Gesetze werden dann aber so gestaltet, daß es in der Praxis nur Männer trifft. Falls dann aus Versehen doch mal Männer davon profitieren, ist die Hölle los und das Gesetz auf einmal verfassungswidrig, s. z.B. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/gutachter-verreissen-gesetzentwurf-zur-frauenquote-13443363.html?printPagedArticle=true

      1. Es gib da einen Trick, der auf Landesebene angewendet wird:

        Eine Quote ist eine Diskriminierung, diese kann aber gerechtfertigt sein, wenn eine Diskriminierung vorliegt und diese damit bekämpft werden soll. Bei Frauen nehmen wir pauschal an, dass eine Diskriminierung vorliegt. Nur wenn jemand im Detail nachweisen kann, dass dem nicht so ist, weichen wir von der Quote ab.

        Bei Männern machen wir es umgekehrt: Wir nehmen an, dass Männer nicht diskriminiert sind und nur wenn diese im Detail nachweisen können, dass sie diskriminiert wären, können sie sich auf eine Quote berufen.

        Das Problem daran ist, dass viele Diskriminierungen im Detail gar nicht nachgewiesen werden können. Erst recht kann die Diskriminierungsfreiheit nicht nachgewiesen werden. Das bedeutet, dass hier eine umgekehrte Diskriminierung praktisch festgeschrieben wird. Selbst wenn eine Diskriminierungsfreiheit erreicht wäre, würde hier eine umgekehrte Diskriminierung fortbestehen. Das Grundgesetz mit Art. 3 Abs. 2 (Gleichberechtigung) galt schon ab Ende der 40er Jahre. Aber das BVerfG hatte zunächst noch viele Diskriminierungen akzeptiert. Es lassen sich immer relativ leicht Gründe finden, warum eine Diskriminierung doch gerechtfertigt sein soll. Jede Diskriminierung hatte eine positiv klingende Begründung. In vielen Bereichen waren es z.B. "Schutzgesetze", die Frauen zu ihrem eigenen Schutz etwas verboten haben. 50 Jahre lang hat das BVerfG immer mehr solcher Scheinargumente aus dem Weg geräumt. Inzwischen erfinden wir aber wieder mehr solcher neuer Gründe, warum eine Ungleichbehandlung doch besser ist. Ich sehe das als eine Rückentwicklung - weg von einer gleichheitsorientierten Gesellschaft. Bestenfalls ist das ein Herumdoktern an den Symptomen einer ungleichen Gesellschaft.

        Das Recht ist keine Wissenschaft, sondern es ist nur träge aber biegsam. Es bietet kurzfristig mit heeren Prinzipien Widerstand gegen Neuerungen des Zeitgeistes. Mittel- bis langfristig saugt das Recht aber den Zeitgeist auf und passt sich ihm an. Das gilt ganz unabhängig davon, ob man Aspekte des Zeitgeistes als überfällige Modernisierung des Denkens oder als Verrat an der Gerechtigkeit ansieht. Gerade die Nazijuristen haben gezeigt, wie gut sie sich mit den Nazis ins Bett legen konnten und wie gut die gleichen Personen dann ein paar Jahre später unsere demokratischen Prinzipien verkörpern konnten.

  4. Bin mittlerweile im Ruhestand, aber die Diskussion ist eine Nabelschau von Problemen, die eigentlich keine sind. Frauenquoten im beruflichen Umfeld sind längst Realität - auch Förderprogramme für Frauen. Aber Frauenquoten in einem Verein mit ehrenamtlich Tätigen - für was?

  5. Die ganzen Diskussionen zu dem Positionspapier und den Leitlinien sind komplett sinnlos und eher kontraproduktiv, da sich der Arbeitskreis unter "nächste Schritte" sowieso das letzte Wort vorbehält. Genau genommen wird ja auch nur um Kommentare gebeten und eine Diskussion mit den Autoren findet nicht statt, da sie (falls ich niemanden übersehen habe) nicht auf die Kommentare antworten.

    "Gender & Diversity" sind politische Kampfbegriffe, die nicht den wissenschaftlichen Ansprüchen einer Berufsvereinigung für Informatiker genügen. Wenn man den Anteil der Frauen in der Informatik erhöhen will, dann kommt man auch ganz ohne diese Kampfbegriffe aus, indem man halt einfach nur schreibt, daß man den Anteil der Frauen erhöhen will und dafür diese und jene Werbe- und Fördermaßnahmen umsetzen will.

    Stattdessen wird in dem Positionspapier und den Leitlinien vorausgesetzt, daß der geringe Frauenanteil ja nur auf Benachteiligung bzw. Diskriminierung beruhen kann und es dafür natürlich auch Schuldige geben muß, sprich die Männer.

    Während man die Umsetzung politisch neutraler Werbe- und Fördermaßnahmen im positiven Sinne auch ohne an den Haaren herbeigezogener Schuldzuweisungen durchführen kann, schlägt dieser Arbeitskreis die negative andere Richtung ein und unterstellt hier implizit den Männern und der GI Benachteiligung und Diskriminierung von Frauen, welche es zu überwinden gelte.

    Ich kann nur hoffen, daß der Vorstand der GI nicht auf diesen Arbeitskreis herein fällt und das Positionspapier sowie die Leitlinien konsequent ablehnt. Die Förderung von Frauen geht auch ohne Schuldzuweisungen und Kampfbegriffe.